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Alt 27.04.2011, 09:06
Benutzerbild von gabi lehmann
gabi lehmann gabi lehmann ist offline
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Standard AW: Herzlich Willkommen:Angehörige,Betroffene und Hinterbliebene

Hallo ihr Lieben,
ich glaube ihr habt Recht.Im Prinzip sind einige Sachen ja auch so eingetreten ,wie ich es HIER schon lesen konnte,was mir in dem Moment auch etwas von meiner Angst genommen hat.
Wenn ich jetzt auch in der Ichform schreibe ,Jenny war immer an unserer Seite.

Am Vormittag ging es Jörg noch einigermaßen,ich konnte ihm sogar noch ein Lächeln abringen.Weil er dann aber müde wurde sind wir erst mal nach Hause.
Auf dem weg zu ihm ,ca 16.30 Uhr habe ich zu Jenny gesagt das ich ein ganz dolles ziehen im Bauch habe.Eben anderst als sonst.
Er wurde gerade wach als wir ins Zimmer kamen und er wurde ganz hektisch weil er auf die Toilette mußte.Er hat sich geweigert auf diesen Stuhl zu gehen,und schraubte schon am Perfusor rum.Zum Glück kam man ins Badezimmer von 2 Seiten rein, denn vorne im Zimmer hat er zugeschlossen.Nach einigen Minuten die mir wie eine Ewigkeit vorkamen (er hat aber auf Ansprache reagiert)bin ich von der anderen Seite rein.Die Schwester blieb draußen und wartete,auf meine Bitte.Er saß auf der Toilette und sah mich ängstlich an.Als ich fragte was ist denn los Süßer ,sah ich seine Hand,die war voller Blut.
Er sagte dann das er sich den Po abwischen wollte aber das nicht geht weil es immer aus dem Po tropft.Er zog dann seine Hosen hoch und quälte sich zum Waschbecken,ich hatte ihm den Duschstuhl davor gestellt.
Als ich das Wasser anmachte und ihm die Hände waschen wollte bekam er eine Panikattacke und ich konnte ihn nicht beruhigen ,da die Atmung verrückt spielte,fing ich an zu schreien ,Jenny und die Schwester waren sofort da.Wir stützten ihn,und wollten ihn ins Bett bringen,da war schon viel Blut auf dem Stuhl.Es hat ihn so beschämt ,er wollte doch nie jemandem Arbeit machen.Er wollte sich nicht mal ins Bett legen um nichts dreckig zu machen.Er bekam einen zweiten Perfusor mit Travor?,irgendein Beruhigungsmittel und eine Sedierung.Er war ab dem Zeitpunkt kaum noch ansprechbar aber sehr unruhig.In für mich relativ kurzen Abständen wurden die Medikamente immer wieder erhöht.Die Atmung wurde immer hefftiger.Der Puls raste.Um ca 20 Uhr bekam er nochmal so viel nachgedrückt das er etwas ruhiger wurde.Er fing vorher zwischendurch immer an zu schreien ,aber war nicht mehr ansprechbar.Da keiner sagen konnte ob es aus Schmerz oder Angst war wurde er eben sehr lahmgelegt,denn SChmerzen sollte er nicht haben.In der Zwischenzeit waren kaum noch Ruhepausen zwischen dem Ein-und Ausatmen.Der Anblick tat mir so weh.Dieses abgemagerte spitze dünne Gesicht, was hektisch nach Luft rang,und mir doch noch so vertraut war.
Um 21 Uhr sagte die Schwester das er sehr kämpt und vieleicht nicht gehen will weil er alleine sein will ,und uns das ersparen möchte.
Wir haben Jörg dann gefragt ob wir gehen sollen ,und............er schüttelte den Kopf.Nur ganz leicht.Als wir dann fragten ob wir bleiben sollen kam ein Nicken.Eine Träne löste sich dabei aus dem Augenwinkel.
Die Schwester sagte das ist jetzt wirklich sein ausdrücklicher Wunsch das wir bleiben.Sie kümmerte sich ganz rührend um uns,brachte uns Kaffee ,nahm uns in den Arm und sreichelte Jörg über die Wange oder auch mal am Arm.Ab 23 Uhr veränderte sich die Atmung,nicht mehr so laut und nicht mehr so tief.er atmete kurz ein aber immer sehr lange aus,aber immer noch ohne Unterbrechung.Immer wenn er unruhig wurde,haben wir ihn fest in den Arm genommen und beruhigt.Ab und zu haben wir gespürt das er unsere Hände drückte.Es war als wenn er uns sucht und sicher sein will das wir bei ihm sind,obwohl wir ja auch mit ihm geredet haben..
Da hab ich schon gedacht,es ist doch grausam,jeder andere Körper hätte schon schlapp gemacht.Was mir dann auch auffiel,er mußte schon seit Stunden nicht mehr schlucken.Irgendwann kamen knisternde Geräusche beim Ausatmen dazu.Um 0.40 mußte ich auf die Toilette und Jenny sagte ,beeil Dich Mama ,es dauert jetzt nicht mehr lange.Das waren noch mal schlimme Minuten.Nicht mehr dieses hektische Luftholen sondern einfach nur noch der Versuch Luft zu holen und sie nicht einatmen zu können.Er schnappte nach Luft aber es ging nicht.Nach 4 mal so atmen war mit einmal Stille und ich dachte ,es ist vorbei,ich wollte gerade klingeln,als er wieder anfing zu atmen.Den Versuch machte er noch 2-3 mal und dann stand das Herz still.Meine Hand lag die ganze Zeit darauf.
Obwohl wir ihm gesagt haben ,das wir ihn LIEBEN,er sich keine Sorgen machen braucht und nicht mehr dagegen ankämpfen soll konnte er nicht früher gehen.Er hat bis zum Schluß dagegen angekämpf.

Ich fürchte es ist jetzt sehr durcheinander und richtig beschreiben kann ich diese grausame Zeit nicht,aber diese Stunden kamen mir vor wie endlose Tage,nichts tun zu können außer daneben zu sitzen ,ihn zu streicheln und zu küssen,mit ihm zu reden,aber trotzdem abwarten zu müssen bis der Körper den Kampf verliert.Hat er nun noch mitbekommen was da los war?Das wir da waren ,bin ich mir sicher,das weiß er.
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Liebe Grüße Gabi

„Was man tief in seinem Herzen besitzt kann man nicht durch den Tod verlieren.“
25.04.2011
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