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Alt 13.06.2004, 13:00
Gast
 
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Standard Forum für Angehörige UND Betroffene

Hallo Ihr alle!

Mein Mann hat seine Therapie begonnen, Chemo nach R-DHAP Schema und Antikörper. Ihn wieder im Krankenhaus zu sehen mit all den Infusionen war schrecklich, wie ein erneutes Abtauchen in einen furchtbaren Albtraum, den wir dachten vor 3 Jahren zu Ende geträumt zu haben. Gestern abend durfte er wieder nach Hause. Ihm ist schlecht, er hat Kopfweh und ist furchtbar müde und schlapp. Es zerreisst einem fast das Herz. Doch eigentlich muss man sagen, dass es ihm unter den Umständen ganz gut geht.

Manchmal kann ich es noch immer nicht fassen, dass uns das noch einmal passiert, kann es nicht glauben. Dann fangen sich die Gedanken wieder an im Kreis zu drehen: warum wir, warum noch einmal. Da draussen rennen Kinderschänder, Mörder und Vergewaltiger rum, die 100 Jahre alt werden! Das ist so ungerecht, das macht mich so wütend. Mein Mann ist ein wunderbarer Mensch, der mir unendlich viel gibt und den ich mehr liebe, als ich sagen kann. Warum wird ein Mensch, der so vielen Menschen so viel bedeutet so krank? So viele Pläne, die wir für dieses Jahr gemacht haben, nachdem wir die letzten 3 Jahre nur von Nachsorge zu Nachsorge gelebt haben. Und dann, wenn man sich langsam wieder sicherer fühlt kommt ein Rezidiv. Gedanken, die ich nicht abschalten kann und die mich manchmal verrückt machen. Ganz zu schweigen von der Angst wie die Therapie weiter verlaufen wird, ob er es schaffen wird. Ich verbiete mir dann, überhaupt an etwas anderes zu denken, als dass er es schafft. Und doch schleichen sich diese Gedanken wieder ein, machen mir ein schlechtes Gewissen, weil ich sie überhaupt habe.
Trotz allem habe ich auch ein bisschen Mut geschöpft, habe mich etwas mehr damit abgefunden und schließlich bleibt ja auch nichts anderes übrig, als sich dem allem zu stellen.

Ich werde mich jetzt wieder an sein Bett setzen und seine Hand halten, in meiner Hilflosigkeit, alles was ich tun kann.

Liebe Grüße
Juliana
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