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Alt 30.10.2012, 20:15
Viki Viki ist offline
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Registriert seit: 07.09.2007
Ort: Süddeutschland
Beiträge: 169
Standard AW: Wie das Gehen "erlauben",..

Hallo Dagmar,

deine Situation habe ich genau vor Augen. Du kannst das Elend nicht mehr mitansehen. Deine Schwiegermutter leidet und du willst das Beste für sie.

Meine Mutter ist 84 Jahre alt, 2007 Brustkrebs, seit 2008 Lebermetastasen. Inzwischen ist die ganze Leber voll, seit 2 Wochen fängt das Wasser im Bauch an. Sie befindet sich seit 2008 mit kurzen Unterbrechungen (kannst du in meinem Profil sehen) in Dauerchemo. Hat sie bis vor 3 Monaten auch gut weggesteckt, aber jetzt geht es rapide bergab.

Sie lebt in der eigenen Wohnung und versorgt sich selbst. Sie ist inzwischen dauermüde, hat Gleichgewichtsstörungen, geht seit kurzem nur noch mit Rollator und verbringt den Tag meist auf der Couch. Sie weiß eigentlich wie es um sie steht, liest jeden Arztbericht.

Man kann sich mit ihr sehr wohl über das Thema Tod unterhalten. Sie meint, wenn es jetzt vorbei wäre, ist das in Ordnung, sie hätte ein langes Leben gehabt.

Aber trotzdem: Sie fährt mit dem Taxi wöchentlich zur Chemo (Abraxane mit starken Nebenwirkungen), ist total erschöpft, putzt trotzdem die Wohnung, kocht und empfängt Besuch und backt vorher Kuchen.

Sie will sich selbst beweisen, dass sie noch lebt! Sie will leben, deshalb Chemo, obwohl absolut sinnlos inzwischen. Die Metastasen scheren sich nicht mehr darum.

Liebe Dagmar, ich glaube dass deine Schwiegermutter genau wie meine Mutter noch nicht so einfach Abschied nehmen kann. Sie ist noch nicht soweit. Sie hat dir letztes Jahr gesagt, dass sie nicht mehr wolle. Aber dann wirklich mit der Chemo aufzuhören und damit selbst die Entscheidung zu treffen, in kurzer Zeit zu sterben, das ist ziemlich viel verlangt.
Ich glaube man kann sich als Angehöriger nicht so leicht in Betroffene hineinversetzen.

Ich gebe J.F. Recht, das Gefühl des Gebrauchtwerdens, von Geliebtsein, von Lebendigkeit... Das ist Leben!

Alles Gute für Euch

Viki
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