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Alt 25.06.2013, 19:27
Sandra7 Sandra7 ist offline
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Standard Ich komme irgendwie nicht so wirklich zur Ruhe

Hallo Ihr,

ich hatte hier damals über die Erkrankung meines Mannes (Burkitt Lymphom) und meine Probleme mit dem Umfeld geschrieben und mich dann aber nicht mehr gemeldet.

Mir tut das auch sehr leid, dass ich auf die letzten aufmunternden Beiträge nicht mehr geantwortet habe. Aber ich konnte einfach nicht mehr. Bei mir hat diese Angst um meinen Mann und das nette Umfeld zu einem Burn-Out und Panikattacken geführt. Ich habe mich dann in psychologischer Behandlung begeben und alles runtergeschraubt, außer mich um meinen Mann zu kümmern.

Mein Mann ist seit Januar mit der Chemo durch und seit dem auch wieder zu Hause. Er wurde mit dem Befund komplette Remission entlassen. Im März und Juni waren jeweils Nachuntersuchungen Beide Untersuchungen (MRT, CT und Magen- und Darmspiegelung) waren zum Glück ohne Befunde.

Ich habe gedacht es wird irgendwie leichter wenn mein Mann mit so einem guten Befund wieder zu Hause ist. Ich habe immer gedacht, wenn man erstmal die ersten Nachuntersuchungen überstanden hat und nichts gefunden wurde wird man bestimmt ruhiger. Das ist bei mir aber irgendwie nicht der Fall.

Manchmal habe ich das Gefühl ich liege wie eine Katze auf der Lauer. Mein Mann hatte dieses Lymphom in Magen, im Darm und in der Lunge und zudem zeitweise heftige Beinschmerzen weil ein Lymphom auf bestimmte Nervenbahnen gedrückt hatte.

Es ist jetzt so, wenn er mal hustet oder Magenschmerzen hat, ich immer gleich denke der Krebs ist zurück. Mein Mann ist schon ganz genervt davon, dass ich ihn am liebsten immer gleich zum Arzt schicken möchte. Er sagt dann immer nur, dass jeder mal hustet oder Magenschmerzen hat und das dies nichts mit Krebs zu tun hat. Für ihn ist das Thema auch erledigt, er hat das jetzt gehabt, es ist weg und gut ist. Und das sagt er auch nicht nur so, ich merke, dass er das auch so meint. Er hat wieder seine Hobbys aufgenommen, strotzt voll Lebenskraft und ab kommenden Montag wird er auch im Rahmen des Hamburger Modells wieder anfangen zu arbeiten.

Ich frage mich, ob ich auch nochmal an diesen Punkt kommen werde nur noch das positive zu sehen. Manchmal denke ich halt auch, dass ich nicht genug schätze wie viel Glück wir hatten. Anstatt das mal positiv zu sehen mache ich mir ständig einen Kopf, ob die Erkrankung wiederkommen könnte oder ob sein Husten nicht schon ein Rückfall ist. Das ist nicht nur anstrengend, sondern belastet ja auch die Beziehung. Wenn jemand als gesund entlassen wurde und sich auch so fühlt, möchte diese Person natürlich auch nicht immer ständig etwas von irgendwelchen Krankheiten hören.

Meistens verkneife ich mir auch etwas zu sagen, aber er merkt natürlich trotzdem das wieder irgendwas ist.

Ich weiß nicht wie ich mit mir selber in der Sache umgehen soll. Habe auch Angst, dass ich ihn vielleicht doch noch mal mit runterreisse und er vielleicht dann auch nicht mehr alles so positiv sieht.

In Kiel in der Klinik haben die mir gesagt, dass es manchmal für die Angehörigen schwerer ist als für die Patienten selber. Die wüssten was mit ihnen los ist, was gemacht wird und glauben meistens auch eher was die Ärzte so sagen. Und mir wurde auch gesagt, dass es halt Zeit braucht.

Nur ich habe echt Sorge, dass ich meinen Mann damit total auf die Nerven gehe. Er soll sein Leben doch genießen nach allem was er durchgemacht hat.

Meine Pschologin sagt immer nur, dass legt sich noch. Nur wer weiß, ob mein Mann bis dahin nicht die Nase voll hat. Haben vielleicht irgendwelche anderen Angehörigen irgendwelche Tipps für mich, wie ich das besser in den Griff bekomme?
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