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Alt 05.12.2013, 11:24
nette34katze nette34katze ist offline
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Standard AW: Chemo Tagebuch, Erfahrungsaustausch, gemeinsames Durchstehen!!!

Bzgl. Wechsel - bei mir lief irgendwie alles schief. Ich mußte wichtigen Bescheinigungen bis zu vier Wochen nachlaufen, Taxischein sollte es nicht geben, ich hatte (für mich ganz wichtig) nie einen richtigen Ansprechpartner, sondern ständig neue, unerfahrene Assistenzärzte, zwar teils nett und bemüht, aber bei einer Krebsbehandlung hab ich mir das anders vorgestellt. Ich glaub, ich komm auf sieben Ärzte bei 4 Chemos, schon heftig. Gespräch mit Oberärztin wurden erbeten, fand nicht statt. Kontakt mit dem Onkologen im Haus (nicht in der Ambulanz tätig!) fand nur per "Stille Post" statt (nie gesehen), daher wurden Fragen falsch beantwortet. Als ich mal zwei Tage vor Chemo Blutentnahme hatte und eine weitere am Tag vor Chemo ablehnte wg. fehlender Abnahmemöglichkeit (Werte waren ok gewesen, nur Leber mies und die ändert sich so schnell leider nicht), wurde mir daraus ein Vorwurf gemacht und die dann reduzierte Chemo so dargestellt, als habe ich die verlangt, dabei waren es die gleichen Leberwerte, bei denen drei Wochen zuvor vom Zentrum die Chemo reduziert worden war. Ich könnte noch ewig, es lief einfach mies.

Der Wechsel ist von einer Krankenhausambulanz zu einer onkologischen Praxis in Köln bei mir in der Nähe erfolgt und ich fühle mich so rundum liebevoll und warm betreut, ist unglaublich.
Vom psychischen Aspekt abgesehen, Fakten: 1)die machen alle Blutentnahmen selber, für mich toll, denn so komme ich auf den Chemotaxischein hin. Meine normale Ärztin, die das bisher machte, weil das Krankenhaus sich weigerte, ist weit weg für mich, im 1. Stock und mit Auto nicht direkt anzufahren. Also hatte ich angefangen, die BE zu schlunzen, wel ich in der ersten Woche nix kann. Ergebnis gibt es sofort in der Praxis, binnen fünf Minuten!
2)Die haben mir mehrere Empfehlungen/Rezepte/Mittel mitgegeben für meine speziellen Probs, die im Krankenhaus scheinbar "austherapiert" waren. Die fragen auch die einzelnen Symptomgruppen ab, aber dann HANDELN sie und heften es nicht einfach ab.
3) Für die Hände bekam ich in der Praxis Eis, im Krankenhaus nix. Ist bei DOC eigentlich Standard.
4) Nadelentnahme nach Chemo- war bisher immer unangenehmer als Anstechen, da ich ja vorher Emla-Pflaster klebe, hab ich da gar nicht gespürt.
5) Es werden Getränke gebracht (bester Kakao überhaupt).
6) Es gibt Wärmedecken UND elektr. Wärmekissen, meine Nachbarin hat es sehr gebraucht.
7) Ich habe endlich einen Onkologen.
8) Ist eben genau das Gegenteil von der überlaufenen, unorganisierten Krankenhausambulanz. Nur vier Therapieplätze (= Sessel) vorerst (die werden bald erweitern), eine Schwester, die ständig da ist und wirklich betreut, ein Arzt, der sich wirklich kümmert.

Der einzige "Nachteil", den ich aber nur vorher überlegt hatte, ist dass es nicht nur um Brustkrebs geht in der onkologischen Parxis, da sitzen alle Krebssorten. ich hatte mir von dem großen Zentrum Vorteile und spezifische Erfahrung versprochen und das kam so nicht rüber im Lauf der Behandlung.

Ich hatte, auch wenn es sich übertrieben anhört, nach der Chemo das Gefühl, man habe meine Seele gestreichelt. So kann das also auch laufen. Natürlich ändert das nix an den Probs, die ich dann daheim habe und die sind bei mir heftig, ist eben die Chemo und wird nicht besser von Mal zu Mal. Aber bei dem alten Zentrum hab ich nachher z.B. schon jedes Telefonat mit denen vor mir hergeschoben und mir darüber nen Kopf gemacht und das brauch ich echt in der Situation nicht.
Als ich schon kurz vor der Entscheidung war, kam mir plötzlich der Gedanke "was, wenn es das nicht war mit dem Krebs, was, wenn was nachkommt?" Natürlich versuch ich auch, solche Gedanken wegzuschieben, aber in der Situation war es richtig, das bis zum Ende durchzudenken. Und mir war sonnenklar, dass ich nochmal nicht in dem Krankenhaus anfangen würde, sondern mir einen Onkologen suchen würde, der mich begleitet. Und dass mir genau das bisher gefehlt hatte. Das war der Moment, wo die Entscheidung leicht wurde.
Bin sehr erleichtert und hoffe, es geht gut weiter.

Ergänzung: Der Wechsel für mich ja trotz bereits erfolgter 4 Chemos in dem alten Zentrum wichtig, da ich im nächsten Jahr noch 12x Herceptin bekomme. Also noch lange nicht fertig.....aber nur noch eine Chemo!

Geändert von nette34katze (05.12.2013 um 12:44 Uhr)
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