Sterben , jeden Tag ein bißchen mehr
Liebe Claudia,
willkommen an Bord. Du hast recht, brauchst nichts erklären. Jeder von uns weiß, wie man sich - gerade ganz am Anfang - fühlt. Wie man in der verbleibenden Zeit "normal" leben soll? Ersteinmal trotzdem die Hoffnung nicht aufgeben. Unser persönliches Motto lautet nach wie vor - und das immerhin schon seit 14 Monaten - : Wir rechnen mit dem Schlimmsten, hoffen aber auf das Beste. Und dann, wenn du alle Seiten gelesen hast, wird dir aufgefallen sein, dass wir auch nach Monaten oder Jahren mit dieser Krankheit ganz "normal" sind. Man kann sich zu Anfang nicht vorstellen, dass man jemals wieder ein "normales" Leben führen wird, aber trotzdem - und niemand wird dir genau sagen können, wann das war oder wie das passiert - tut man es irgendwann wieder. Relativ "normal", halt immer den Umständen entsprechend. Und dass wir alle zwischendurch unsere Höhen und Tiefen haben, ist dir sicher auch nicht entgangen. Der Mensch ist offenbar in der Lage, sich auch solchen Lebensumständen anzupassen. Auch euch wird das gelingen, da bin ich mir ganz sicher. Ihr müsst euch halt die nötige Zeit dafür lassen und vor allem den Kopf nicht in den Sand stecken.
Ja, mit den Ärzten ist das so ne Sache. Die einen reden lieber mit den Angehörigen, die anderen wählen den direkten Weg. Da hat man manchmal keine Möglichkeit zu dosieren, wer welche Info bekommt. Hoffe, dass dein Vater die Nachrichten einigermaßen verkraftet hat. Von der Sache her, habe ich leider keine Ahnung, inwieweit ein Tumor aufbrechen kann. Davon war bei uns nie die Rede. Wisst ihr schon, wie dein Vater jetzt weiterbehandelt wird?
Wir können füreinander nichts anderes tun, als zuzuhören und uns gegenseitig aufzubauen und zu unterstützen. Melde dich also, wenn du Hilfe oder einen Rat brauchst.
Halt die Ohren steif, lieben Gruß von Monika
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