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Alt 19.08.2005, 14:51
Briele Briele ist offline
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Standard AW: Von der Seele schreiben!!

Liebe Dani, lieber Mario,

Du wirst es nicht glauben, Mario, aber genauso habe ich mir Dich vorgestellt! Danke für das Photo.

Isa hat einmal gemeint, wenn ich vor ihr poste, dann ist schon vieles gesagt, na ja das kann ich umgekehrt genauso sagen, denn unter ihren Gedanken und Hinweisen bräuchte ich eigentlich nur noch meinen Namen setzen. Wiederholen werde ich den Text aber jetzt nicht.

Mit den Träumen ist es so eine Sache, vor allem wenn man gerade einen lieben Menschen verloren hat. Träumt man schön, dann interpretiert man das als lieben Besuch des Toten, als Beweis, dass es ihm gut geht, man selbst alles gut gemacht hat, eine besondere Nähe hatte, und das will man dann natürlich gerne erzählen. Hören das Menschen die nicht träumen, denken die sich, ach Gott, warum ich nicht, hab ich nicht genug geliebt, geht’s dem Verstorbenen nicht gut, was mach ich falsch? Wenn diese Menschen Pech haben treffen sie auf einen der gerade ein Buch über Traumdeutung, oder ein schlechtes Buch über das Sterben, den Tod, die Trauer gelesen hat. Sie bekommen dann gesagt, du musst loslassen, du darfst nicht so traurig sein, das bekümmert den Toten, wein nicht soviel und blablabla.

Weiss jemand wie es „wirklich“ ist? Keiner! Du kannst Dir all die Meinungen, Thesen, Gedanken anhören, sie lesen, kannst Dir dann etwas aussuchen, was Dir zusagt, kannst alles vom Tisch fegen und Dir Deine eigenen Gedanken machen. Und kannst sie auch wieder ändern.

Ich habe nach Mamas, auch nach Papas Tod viel geträumt, aber ich habe dies nie als Privileg empfunden, ich träume immer viel und ich erinnere mich an meine Träume. Bald einmal hab ich sie mir aufgeschrieben. Nicht um sie zu deuten, es war mir ein Bedürfnis und sicher auch eine Hilfe. Man träumt ja öfter schlecht. Wird bedroht, hat gefährliche Situationen vor sich, traurige Erlebnisse. Meistens nimmt man das so hin. Wenn man aber vor Schmerz, Trauer und Verlust ganz weh und wund ist, schwach und zittrig, dann hält man nicht mehr so viel aus, dann empfindet man böse Träume als große Belastung.

Du hast einige Vorschläge, Ratschläge bekommen. Was Isa vorschlug hatte ich mir fast wortwörtlich ausgedacht. Auch die anderen finde ich gut. Petra 11 (hallo, liebe Petra, bist Du die vom Mamathread?) hat eine Erfahrung und eine Möglichkeit aufgezeigt, die vielleicht interessant für Dich ist.
Ich hab noch eine – etwas herzhafte – Bemerkung, die Dir hoffentlich nicht herzlos erscheint : es wird vorbeigehen, Mario.

Ich glaube Alina schrieb Dir, dass Trauer Schwerarbeit ist. Das ist es wirklich. Ich erinnere in dieser Zeit viel geseufzt zu haben. Körperlich, seelisch, geistig völlig erschöpft gewesen zu sein. Jeden Abend dachte ich (mit Seufzer), Gott sei Dank ist wieder ein Tag vorbei. Ich war ausgefüllt von einem einzigen Wort, das schmerzhaft in mir pochte : MAMA MAMA MAMA MAMA. Ohne Unterlass. Irgendwann, nach Monaten, stellte ich erstaunt fest, dass nun zwei Stunden vergangen waren ohne dass ich an Mama gedacht hatte. Das war mir dann auch nicht recht! Es ist wirklich Schwerarbeit. Isa hat geschrieben... Trauer lässt sich nicht beschleunigen... Das ist wahr. Es gibt Menschen die laufen davon, beschäftigen sich, wollen nie allein sein, halten sich auf Trab, bis sie kaputt ins Bett sinken, wollen der Trauer keine Zeit, keinen Platz geben. Die Trauer sitzt da und wartet. Jahrelang. Sie hockt einfach da und wartet bis man sich mit ihr beschäftigt. Daher ist jeder gut beraten sie nicht auszusperren oder abzuwürgen.

Wie Isa, glaube ich eigentlich auch, dass Du es ohne professionelle Hilfe schaffen wirst. Aber was spricht dagegen Hilfe zu suchen? Vielleicht tut Dir einmal ein Gespräch gut, vielleicht mehrere? Du weißt bestimmt, dass die Hospizbewegung solche Gespräche für Trauernde anbietet.

Du weißt ja, dass ich ein altes Kind war als meine alte Mama starb. Wir haben immer viel umarmt. Mario, es ist vollkommen egal wie viel war, angesichts der Endgültigkeit des Todes ist alles zuwenig, hätte alles noch mehr sein können. Ich bin ganz sicher, dass es für Eure Mama gut war, gut ist. Du Mario, Dani, Stefan müsst mit der Sehnsucht nach ihr leben. Diese Sehnsucht bringt einen fast um. Ich habe mir öfter laut vorgesagt : ich muß es einfach aushalten!
Manchmal hat es geholfen laut „Mama“ zu sagen und auch ein Foto von ihr auf mein Herz zu legen.

Ihr habt etwas was ganz selten ist : Ihr Geschwister habt einander, vor allem Du Mario und Du Dani, von Stefan weiß ich zuwenig, weiß aber, dass Ihr ihn in Eure Mitte nehmt. Die Trauer trennt Euch nicht. Wahrscheinlich ist euch gar nicht bewusst welche große Ausnahme Ihr seid.

Heute ist ein Tag an dem ich Euch beide fest umarme.
Eure Tante Briele
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