++++ Liebe Cassiopaia,
es tut mir so leid zu hören, daß es Dir und Deinem Papa so schlecht geht. Ich weiß auch gar nicht, was ich sagen soll, um Dich zu trösten, da dies auch sicher gar nicht möglich ist, aber ich möchte Dir einfach sagen, daß ich an Euch denke und Du Dich immer melden kannst, wenn Du "reden" möchtst.
Ich kenne das nur zu gut, daß mich Freundinnen mit irgendwelchen belanglosen Problemen vollheulen und dann so nach einer Stunde fragen, "ach ja, und wie geht´s Dir und Deiner Mutter so?" Bei mir zu Hause herrscht das reinste Psychochaos und meine Freundin erzählt mir, daß sie bald wahnsinnig wird, weil sie nicht weiß, was sie ihrem Freund zum Geburtstag schenken soll.

Da könnte ich auch jedesmal richtig böse werden und muß mich immer sehr zusammennehmen, um nicht zu sagen, daß sie einfach still sein sollen und ich mich freuen würde, ihre "Probleme" zu haben. Deshalb hatte ich in den letzten Wochen auch schon gar keine Lust mehr, noch jemanden anzurufen, weil ich es nicht mehr ertragen konnte, über Belangloses zu reden und weil ich sowieso immer nur müde und depressiv bin. Ich glaube, es gibt einfach Menschen, die dieses Verständnis oder Einfühlungsvermögen nicht in gleichem Maße besitzen. Gibt es denn in deinem Freundeskreis jemanden, bei dem Du Dir vorstellen könntest, daß er Dich ein bißchen versteht und mit dem Du reden kannst? Vielleicht solltest Du Dich jetzt erstmal nur an diese Person(en) halten und Dich von den anderen, die nur von sich reden, ein bißchen distanzieren.
Ich drück Dich ganz fest und denke an Dich.
++++ Liebe Marion,
heute hab ich es zwar wieder nicht geschafft mit dem Kino, aber ich habe mich jetzt für morgen nachmittag fest mit zwei Freundinnen verabredet und hoffe, daß es dann auch klappt. Das ist dann das erste Mal seit über vier Wochen, also seit meine Mutter operiert wurde, daß ich mich mal wieder mit jemandem außerhalb der Uni treffe. Mit meiner Mama war ich vorhin bei ihrem Hausarzt und sie hat eine Entgiftungsinfusion bekommen, damit ihre Leberwerte wieder runter gehen. Danach sind wir noch einkaufen gefahren und am Ende war schon ganz schön fertig, sie war ja auch schon lange nicht mehr am Stück so viel unterwegs. Jetzt schläft sie und es geht ihr heute auch etwas besser, nachdem sie gestern wieder viel geweint hat. Es ist irgendwie immer so ein ständiges auf und ab. Wenn man gerade denkt, es geht etwas besser, bricht sie wieder zusammen und ich lasse mich von ihrer Stimmung dann sofort anstecken und bin auch nur noch traurig. Vor allem weiß ich so oft nicht, wie ich sie trösten und aufheitern soll, wenn es ihr dann so schlecht geht. Der Berater sprach ja schon davon, daß sie vielleicht auch Antidepressiva nehmen müßte, aber sie hat sofort gesagt, daß sie es nicht nehmen würde. Sie fühlt sich auch so oft nutzlos und denkt, daß sie sowieso nur noch krank ist und ihr Leben keinen Sinn mehr hat.
Ich selbst versuche jetzt erstmal die sechs wochen mit Johanniskraut zu überstehen, vielleicht hilft es ja wirklich.
Liebe Anna,
schön, daß Du eine Psychologin gefunden hast.
Laß von Dir hören, wenn Du wieder mehr Zeit hast.
Liebe Grüße an euch alle, ich drück Euch,
Eure Laura.