AW: Thread für junge Angehörige von Krebskranken
Hallo, nachdem ich zuvor immer nur im Lungenkrebsforum geschrieben habe, bin ich heute durch Zufall auf diesen Thread gestoßen.... Ich bin 29 und seit dem 7.2 wissen wir, dass mein Vater Lungenkrebs hat. Trotz allem was schon passiert ist,kommt es mir immer noch völlig unwirklich vor, ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand den ich liebe von einer solch tödlichen Bedrohung heimgesucht wird.... aber leider lässt es sich nicht von der Hand weisen. Die letzten Wochen war er überwiegend im KH... da er sich als üble Komplikation eine Lungenentzündung zugezogen hatte, von der er sich noch immer erholt.... Glücklicherweise schlägt die Chemo bislang gut an und sowohl Chemo als auch Bestrahlung scheint er ganz gut zu verkraften. Er leidet allerdings unter Panikattacken, eigentlich kann man ihn gar nicht alleine lassen. Die im KH geben ihm dagegen ein Psychopharmaka (Tarvor), wir wollen jetzt versuchen einen Psychologen hinzu zu ziehen. Er kommt mir vor wie ein kleines Kind, wenn er diese Angst bekommt und wir können ihm gar nicht helfen, er tut mir unendlich leid. Bis Mitte letzten Jahres habe ich 300 km entfernt von meinen Eltern gewohnt, dann übergangsweise bei meinen Eltern und zum 1.2 wollte ich meine neue Wohnung beziehen.... die habe ich jetzt wieder gekündigt, weil ich sie einfach nicht allein lassen will. Meine Mutter fährt kein Auto und arbeitet als Krankenschwester eine Woche im Monat nachts- da kann er ja nicht allein bleiben...
Mein eigenes Leben stellt sich momentan ganz weit hinten an... Freunde hab ich seit dem Tag x nicht mehr getroffen, nur wenige telefonisch eingeweiht... ich hab auch keine Lust mehr drüber zu reden, es reicht mir schon dauernd die Verwandschaft informieren zu müssen.... außerdem denk ich bei jedem nur, dass er froh ist, dass es nicht sein Vater ist.... Meinen Freund sehe ich nur am Wochenende, er ist zwar sehr lieb, aber eigentlich habe ich permanent ein schlechtes Gewissen, eigentlich allen gegenüber. Zwischen Job und Krankheit bleibt kaum Zeit übrig. Und selbst bei diesen beiden Sachen hab ich das Gefühl ich mach nichts richtig.... Irgendwie ist mein Zeitmanagment wohl falsch....
Am 31.1 war mein Leben perfekt, ich war zurück in meiner Heimatstadt, hatte einen Job der mir Spaß macht und sollte urplötzlich vom befristeten Arbeitsvertrag ins Beamtenverhältnis aufsteigen, ein Tag von dem ich seit Ende des Studiums vor 4 Jahren träumte, ich hatte eine schöne Wohnung, endlich lag sowas wie eine Familie gründen mal in greifbarer Nähe....
Tja, so schnell kanns gehen, nur eine Woche später lag meine Welt in Trümmern. Was hat man nur für bescheuerte Ziele, wenn man glaubt alle seien gesund. Was ist ein sicherer Job wert, wenn dafür dein Vater stirbt...
Nein, aber das wird er ja nicht, zumindest nicht an dieser Sch... Krankheit!!!
Liebe Grüße an euch alle,
Susanne
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