AW: Villa Sonnenschein
Hallo an alle Bekannten und Unbekannten Damen!
Ich habe hier noch nie gepostet aber gerade ist mir so danach, zum Thema Haustiere... Wir haben nämlich ein zahmes Zwerghuhn, Mrs. Hen, kurz Missie, rebhuhnbraun, mit so Federstiefelchen an den Füßen, sehr rund vor lauter Federn und mit pfiffigen braunen Augen. Die haben wir schon seit 6 Jahren und als sie uns zugelaufen ist, war sie wohl auch schon 3 Jahre alt, also insgesamt 9 Jahre, sie ist aber noch total fit. Wir sind 3x umgezogen und sie ist immer frei und dekorativ im Garten rumgelaufen und nachts in ihren Kaninchenkäfig, aber seit einen schlimmen Hundebiss lebt sie bei uns im Haus, in einem Karton auf dem Küchenschrank (für tagsüber hat sie draußen ein Gehege). Auf ihrer Kiste thronend putzt sie sich, macht Nickerchen und nimmt am Familienleben teil, ist der King of the Castle! Ich bin ihre Bezugsperson - sie verfolgt jeden meiner Schritte, und wenn ich was schnibble oder koche, spricht sie mich höflich an und duckt sich in der Hoffnung was zu bekommen, ein bischen Käse, Obst, Nudeln, Brot - möglichst adrett geschnitten aus der Hand, sonst ist sie schnäkisch! Sie ist so zahm wie ein Nymphensittich oder Papagei und alle lieben sie, weil sie mit einem spricht!! Sie antwortet ganz oft sogar mit der selben Silbenzahl und im selben Tonfall, wie man sie angesprochen hat (sie kann sogar flüstern!). Sie weiß immer, selbst wenn wir am Küchentisch sitzen und über alles Mögliche reden, wann man über sie spricht (z.B. "vielleicht mag DAS HUHN ja den Rest") und sagt dann was dazu. Es ist schon erstaunlich.
Jetzt während der Chemo, wo ich soviel zu Hause bin, unterhalte ich mich viel mit ihr, wenn ich in der Küche bin, und wir sind so aufeinander eingespielt, wie man mit einem alten Hund oder einer alten Katze sein kann. Vertrauensvoll lässt sie sich durch die Gegend schleppen, auf den Schrank oder ins Gehege, und gelegentlich machen wir Kraulsitzungen auf dem Schoß, vor allem am Kopf, wo sie nicht an die Federn ran kann, und dann wird mit geschlossenen Augen der Kopf hin und hergedreht und genossen. Während der Stallpflicht durfte die Arme nicht mehr im Garten rumlaufen, aber zum Schluss, als wir noch Beobachtungsgebeit waren, bin ich abends regelrecht mit ihr "Gassi gegangen", damit sie ein paar Gänseblümchen picken kann und auch Insekten. Sie bleibt immer wo ich bin im Garten, und wenn ich in einer bestimmten Entfernung von ihr gehe, kann ich sie "lenken" ohne das sie sich gescheucht fühlt. Sieht natürlich witzig aus für andere, aber wie gesagt, wir kennen uns halt sehr gut.
Ich muss oft daran denken, dass sie vielleicht ja bald sterben muss, denn 9 Jahre ist schon sehr alt für ein Huhn. Und dass ich inzwischen vielleicht ein bischen zu sehr an ihr hänge. Das hat auch was mit der Chemo zu tun, ich könnte das momentan nicht gut verkraften.
So, das war die lange Geschichte von unserer Missie, ich hoffe es nervt euch nicht, dass ich gleich beim ersten Mal soviel schreibe!
Liebe Grüße
Susanne
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