AW: Chemo Taxotere
Hallo meine Lieben,
ich möchte mich auch mal wieder in unserem schönen "Café T" melden und einen Zwischenbericht abgeben. Ich hatte gestern meine letzte von insgesamt 8 Chemos (4 x EC, 4 x Doc). Das ist schon ein schönes Gefühl. Nächsten Mittwoch geht's ins Krankenhaus zu den Abschlussuntersuchungen. Angeregt von Renate Sonntagskinds Bericht über ihre nicht so schönen Erlebnisse habe ich noch mal über meine Geschichte mit dem Krankenhaus hier in Frankfurt reflektiert und muss sagen, im Grunde bin ich mit dem Personal und den Abläufen sehr zufrieden. Es ist bestimmt auch leichter, bei einem bisher eher günstigen Verlauf über diverse Schlampereien und Unzulänglichkeiten hinwegzusehen. Wenn man dagegen schlechte Nachrichten unfreundlich oder unsensibel präsentiert bekommt oder ihnen sogar noch nachlaufen muss, kann man das nur als Lieblosigkeit, Gleichgültigkeit und Missachtung empfinden. Und das kränkt!
Ja, also wie gesagt, organisiert sind "meine" Ärzte, Schwestern und Sekretariatsangestellten gut, und die meisten haben vor allem das Herz auf dem rechten Fleck. Fachlich gibt es eh nichts zu meckern. Auch in der onkologischen Praxis, die organisatorisch zu einem anderen Krankenhaus gehört, fühle ich mich gut betreut, der menschliche Kontakt ist sehr erfreulich.
Heute morgen war ich kurz in der Stadt, im Handarbeitsgeschäft. Auf dem Rückweg beim Bäcker eine WM-Stückchen-Kollektion erstanden. Von "Viererkette" bis "Freistoß" gibt es alle denkbaren Sonderangebote. Und ich bin doch so ein Kuchenfreak! Heute nachmittag dann mit Strickzeug im gemütlichen Sessel vor dem Fernseher, mit Kaffee, Kuchen und Obst, und unsere Jungs anfeuern. Hach, das Leben könnte so schön sein ohne diese Krankheit! Aber wisst ihr was? Wenn es das nicht wäre, dann wäre es halt was anderes, wie Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme, Liebeskummer oder Einsamkeit ... Ein Leben ohne Schwierigkeiten gibt es nicht. Also immer wieder das Pferd angespornt, und mutig auf die Hürden losgeritten!
Nach dem Fußballspiel werde ich mich realistischerweise zusammenringeln und ergeben auf das warten, was wir schon kennen, die grippeähnlichen Symptome nämlich. Die werden mich dann für das Wochenende ans Bett und Sofa fesseln. Na ja, geht auch vorüber und soll ja laut Plan das letzte Mal sein.
Diese Woche habe ich zu allem Überfluss noch eine Zahnbehandlung angefangen, man gönnt sich ja sonst nichts. Aber mit Loch im Schneidezahn wollte ich dann doch nicht rumlaufen oder ins Krankenhaus gehen. Da ich bei meiner früheren Zahnärztin nicht mehr zufrieden war, habe ich einen neuen Zahnarzt um die Ecke aufgesucht. Er ist sehr gut, sehr erfahren und hat mich im Hinblick auf die Chemo und die kommende Behandlung (OP und Bestrahlungen) beraten. Offenbar kennt er meine behandelnden Ärzte im Krankenhaus, ich soll Grüße bestellen und die zeitlichen Abläufe mit ihnen besprechen. Denn Zahnschäden sind auch Herde für Unzuträgliches im ganzen Körper, und die diversen Behandlungen können Wechselwirkungen haben. Ich bin außerdem sofort drangekommen, und weh getan hat's auch nicht. Erstaunlich. Warum hat mir bloß keiner früher gesagt, dass so ein kompetenter Mensch keine 5 Gehminuten von mir praktiziert? Es hätte mir schon seit Jahren ausgiebige Wege- und Wartezeiten erspart.
Für den letzten Zyklus haben sie mir noch einmal Xeloda verpasst, ich habe aufmerksam gelesen, was Susanne so fleißig über ihre Symptome geschrieben hat. Nein, liebe Susanne, fasse dich lieber nicht kürzer, ich mag deine Ausführlichkeit sehr. Manche schreiben lieber kurz und prägnant, das ist auch in Ordnung, aber deine Beiträge entwickeln deine Gedanken so schön und nachvollziehbar, dass es ein Vergnügen ist, ihnen zu folgen.
Ja, und wenn ich also blau oder gelb anlaufe, werde ich die Xelodatabletten sofort absetzen. Uridinsalbe habe ich noch genügend.
Liebe Grüße an alle
Ruth
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