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Alt 23.08.2006, 22:53
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Jelly Jelly ist offline
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Standard AW: Leben zwischen Hoffnung und Angst

Hallo Ihr Lieben,

ja, wir sind ans Meer gefahren, und es hat mir sehr gut getan. Wir sind jeden Tag über eine Stunde direkt am Meer gelaufen und haben die frische Luft genossen. Die Weite des Meeres ist für mich immer ein wunderbarer Anblick, es ist so, als wäre der liebe Gott ganz nah. Als ich 13 Jahre alt war, bin ich das erste Mal ans Meer gefahren und seit dem hab ich das Meer mindestens einmal im Jahr gesehen und gehört, irgendwie hab ich dann das Gefühl, dem Göttlichen ganz nah zu sein. Habe die Bedohung nicht vergessen können, aber sie war nicht so bestimmend, erst als wir heute wieder mit dem Auto nach Hause gefahren sind, ist dieses Gefühl, daß der Teufel in mir wütet wieder in mir hochgekrochen, nun muß ich mich ihm stellen. Ich werde nächste Woche die Untersuchungen (Dienstag MRT vom Bauch und am Donnerstag PET vom ganzen Körper) machen, damit ich weiß, wo sich der Teufel wieder tummelt, aber eigentlich weiß ich noch nicht, was ich dann machen werde, ein Schwebezustand, seitdem ich krank bin, eigentlich das intensivste Fühlen, zwischen Angst und Hoffnung. Ich weiß, daß ich den Weg der langen Chemo nicht gehen will, ich weiß, daß ich kein Stoma haben WILL, aber was mache ich, wenn das die einzigen Alternativen sind, zu leben ? Irgenwie hab ich das Gefühl, daß sich die Vorzeichen des Scheidewegs ankündigen, lebenswert aber kürzer zu leben, oder alle Einschränkungen und Belastungen in Kauf zu nehmen, um länger zu leben. An Wochenende kommen meine besten Freunde zu Besuch, ich hoffe, ich schöpfe daraus Stärke für die Untersuchungen, die anstehen.

Liebe Birgit,

ich möchte Dich so gerne in den Arm nehmen, mit Dir einen Tee trinken und mit Dir reden, Dir nahe sein und Dir eine gute Freundin sein. Ich werde die Untersuchungen machen, damit ich weiß, wo der Krebs sein Unwesen treibt, wenn Du Schmerzen hast, dann muß das doch auch eine Ursache haben, gibt es denn keine Untersuchungen für Dich, damit Du wenigsten Klarheit hast, was die Ursachen für Deine Beschwerden sind. Ich wünsche mir, daß Du alle Untersuchungen machst, damit Du Klarheit hast, und damit Du für Dich Entscheidungen treffen kannst, denn nur dann sind wir Herr über das Geschehen, auch wenn die Krankheit immer die Herrschaft an sich ziehen möchte, wir können nur Herr sein, wenn wir ihr ins Gesicht sehen. Bitte gib mir Bescheid, wenn Du weißt, was die Untersuchungen ergeben haben. Ich bin bei Dir, ganz nah, ich trage Dich in meinem Herzen.

Liebe Erika, liebe Hope,

ich kann Euch nun keine guten Wünsche für die Ops auf den Weg mitgeben, aber ich habe an Euch gedacht, auch Euch habe ich mit in den Urlaub genommen. Ich hoffe, es ist alles gut gegangen und wir hören bald von Euch.

Liebe Lolle,

ja, an dem Tag hätte ich gerne das Geschirr zerschlagen, wenn es helfen würde. Am Meer bin ich etwas zur Ruhe gekommen, habe Kraft getankt für die nächste Woche. Dein Beitrag war so ehrlich, danke dafür !!!!

Ich fühle mich bei Euch allen gut aufgehoben, war bei meinem Schwager, der mit meiner Krankheit überhaupt nicht umgehen kann, er drückt sich um ein Gespräch, weil er selbst nicht weiß, was er sagen soll. Aber damit hab ich auch gerechnet, hat mich also nicht überrascht.

ES TUT SO GUT, DASS ES EUCH GIBT - DANKE FÜR EURE GEDANKEN UND DAFÜR DASS ES EUCH GIBT !

Ganz liebe Grüße
Jelly
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Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden. (Mark Twain)