AW: Behandlung von Lebermetastasen
Hallo liebe Erle,
ja, endlich konntest du was schreiben !
Diese Berg - und Talfahrt ist das absolut schlimmste, mit dem man irgendwie umgehen muss. Und kaum ein Mensch bringt da Verständnis für die damit verbundenen Gefühle auf. Deine Zerissenheit kann ich sehr gut verstehen. Schämen brauchst du dich dafür mit Sicherheit nicht. Du hast einfach auch die Realität im Blick. Und solange halt irgendwo in der Leber noch etwas gesehen wird, solange hat man diese Unruhe in sich.
Dennoch, was mich etwas erschreckt hat: Die momentane Diagnose ist zwar nicht das erhoffte Wunder aber es ist wie auch bei Michaeles Mutter ein weiterer Schritt Richtung Heilung getan und dieser Weg kann weitergehen.
Eine Kollegin sagte zu mir dieser Tage: "Stell dir vor du bekommst gesagt, dass da in der Leber etwas ist, was nicht reingehört und dass dieses Etwas raus muss und deshalb behandelt wird und keiner sagt dazu, dass dieses Etwas Krebs heißt. Dann wären doch die meisten Menschen bei weitem nicht so belastet und würden an einen Heilung glauben wie bei einem faulen Zahn, der halt behandelt muss oder beim eitrigen Schnupfen, der raus muss."
Ich habe das einige Tage überlegt. Zunächst dachte ich, das ist ja auch ein bißchen blauäugig. Wenn ich jetzt aber deinen Satz lese: Ich bin froh, dass der Arzt uns reinen Wein eingeschenkt hat, dann kann ich deine Gefühle total gut nachvollziehen und denke gleichzeitig: warum, verdammt nochmal ???? Er nimmt euch damit ja auch soviel Zuversicht, dass euer Weg auch zu einer Heilung führen kann auch wenn es jetzt nicht auf einmal geklappt hat und ihr mehrere Etappen bewältigen müsst. (Wer weiß eigentlich, dass bei meinem Mann das Wunder wirklich eingetreten ist / vielleicht sehen sie im Moment nur nichts und nächste Woche ist alles anders - wer weiß das schon ?). Und vielleicht kann man ja auch eine ganz schön lange Zeit mit Metastasen leben ?
In der Zeit wo bei uns noch die Behandlung lief, hatte ich ganz oft diesen Zeitpunkt vor Augen, wo dann alles zu Ende ist ohne zu wissen, wann der sein wird. Das hat extrem Energie gekostet.
Und gleichzeitig kann ich hier im Forum immer wieder lesen, dass Menschen lange Zeit auch mit dem Krebs leben und oftmals gar nicht so schlecht. Ich will damit denen, die es anders trifft in keinster Weise das Leid absprechen.
Aber ich habe so sehr das Bedürfnis auch die Hoffnung sprechen zu lassen.
liebe Erle, ich hoffe, dass das Wörtchen palliativ dich nicht zu sehr belastet und du nebendran (nicht stattdessen, sondern nebendran) auch die andere Chance spüren kannst.
ganz liebe Grüße Doro
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