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Alt 02.12.2006, 12:47
Anemone Anemone ist offline
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Standard AW: Wie soll das nur weitergehen?

Hallo liebe Monika,
ich denke in den letzten Tagen oft an dich und lese auch hier in deinem Thread. Klar, Frank und Bernd haben völlig Recht, du musst dich nun auch um dich kümmern, deine Trauer zulassen und deinen Tränen freien Lauf lassen. Aber du sollst keine Angst davor haben, dass irgendwann ein "totaler Zusammenbruch" kommt.
In der Zeit als mein Mann krank war, hatte ich ein paar Gespräche mit einer Psychotherapeutin, weil ich nach der niederschmetternden Diagnose für meinen Schatz unter Depressionen litt.
Sie erklärte mir, dass man schon einen Teil der sogenannten "Trauerarbeit" bewältigt, wenn man sich der Tatsache bewusst ist, dass ein geliebter Mensch in der nächsten Zukunft sterben muss.
Ich denke, das ist bei dir auch der Fall. Du wusstest ja schon längere Zeit, dass dein Papa diese Krankheit nicht überleben wird und hast dich mit dem Gedanken an sein Sterben vertraut gemacht, auch wenn dieser Gedanke ganz schrecklich und eigentlich unvorstellbar war. Du hast das nicht verdrängt, deshalb gelingt es dir vielleicht jetzt, das Unfassbare leichter anzunehmen.
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich in den ersten Tagen nach dem Tod meines Mannes ein Gefühl der Erleichterung gespürt habe, war erleichtert, weil dieses entsetzliche Leiden und die Qual zu Ende waren, mein Schatz keine Schmerzen mehr hatte.
Für dieses Gefühl der Erleichterung habe ich mich irgendwann geschämt und hatte ein schlechtes Gewissen. In der Trauergruppe, an deren Treffen ich ein Mal im Monat teilnehme, erfuhr ich dann, dass das normal ist und ich deswegen kein schlechtes Gewissen haben muss. Es ging dort eigentlich allen Beteiligten so ähnlich.
Liebe Monika, ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute. Hör auf dich und dein "Bauchgefühl". Lass positive Gefühle zu, weine und sei wütend auf euer Schicksal, wenn dir danach zumute ist und komm gut durch die nächsten Tage und Wochen.
Liebe Grüße,
Anemone
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