AW: Thread für junge Angehörige von Krebskranken
Hallo Maria, hallo Marie-Claire,
schön, dass ihr beide euch hier austauscht - vielleicht sollte Marie-Claire sich aber einen eigenen Benutzernamen zulegen, damit man sie auch persönlich ansprechen kann.
Kurz zu mir - ich habe meinen Schwiegervater am 21.11.2006 im Kampf gegen Lungenkrebs verloren. Meine/unsere Kinder sind 15 und 12. Wie ihr auch haben wir von Anfang an mit den Kindern offen über die Diagnose gesprochen. Bei uns war es nur klar, dass es keine Hoffnung auf Heilung geben wird - und die eingeleitete Chemo nur palliativ helfen wird.
@ Maria
du hast bisher alles richtig gemacht - offen über alles mögliche gesprochen. Auch wir haben die Schulen informiert, weil wir ja nicht wußten welche Nebenwirkungen auftreten. Wichtig ist, dass du dich gut informierst und diese Informationen auch an deine Kinder weiter gibst. Uns wurde im August gesagt dass mein Schwiegervater noch 14 Monate zu leben hat. Es war aber klar, dass dies viel zu hoch gegriffen war - dies habe ich zwar unseren Kindern, nicht aber meinen Schwiegereltern mitgeteilt. Am Anfang der Chemo war ich nur für ein, zwei Tage in der Woche mit im krankenhaus und unsere Kinder mussten nicht soviel zurückstecken. Am Schluss war ich täglich 3-4 Stunden im KH und sie kamen sträflich zu kurz. Wir waren auch häufig ungerecht, weil es uns nicht wirklich interessierte wer gerade in wen verknallt war oder welches neue Spiel der Freund gerade hatte. Uns stand der Kopf woanders. Wenn wir es gemerkt haben, haben wir uns entschuldigt - doch im großen und ganzen denke ich haben die Kinder, dass gut verstanden. Es ist natürlich etwas anderes, wenn es um den eigenen Vater geht. Aber gib beiden, dass Gefühl, dass sie trotzallem ein normales Teenagerleben führen dürfen. Unseren KIndern war es immer frei gestellt, ob sie ihren Opa besuchen wollen oder nicht (sie hatten beide ein enges Verhältnis - wir wohnen auch nur 5 Minuten auseinander). Uns war es wichtig, dass wenn sie sich mit der Situation überfordert fühlen, jederzeit "Nein" zu Besuchen sagen durften ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Und beide haben es auch genutzt - in der Zeit wo es ihm ganz schlecht ging, wollten sie beide nicht und es war O.K.
Gibt es für Marie-Claire nicht die Möglichkeit, das Jahr zu wiederholen ? Wir haben nur positive Resonanz von den Lehrern erfahren. Dann muss sie sich selbst nicht so unter Druck setzten, wenn sie lernen will, dann lass sie. Jeder geht anders damit um. Wir hatten, dass "Glück" schon im August mit der Trauerarbeit anzufangen - manchen Abend haben wir hier gesessen und geweint und gefragt warum ? Und wenn du dich jetzt viel um deinen Mann kümmerst werden deine Kinder, dass auch verstehen - sie sind manchmal stärker als wir glauben.
@ Marie- Claire
ich kann gut verstehen, dass du dich manchmal überfordert fühlst. Eigentlich solltest du dich gerade von deinen Eltern abnabeln, deine eigenen Entscheidungen treffen und auch Fehler machen. Es ist aber auch völlig in Ordnung wenn du ab und zu völlig egoistisch bist. Sagtst mir wird dass alles zu viel und ich kann die kraft nicht für mama und deinen kleinen Bruder aufbringen. Mein Schwiegerpapa war immer total fertig, wenn ihn seine Enkelkinder bei "alltäglichen" Situationen gesehen haben, die er nicht mehr ohne Hilfe oder nur sehr langsam/unter großer Kraftanstrengung erledigen konnte. Ich denke deinem papa geht es nicht anders. Eigentlich sollte er ja für euch da sein und nicht umgekehrt. Wir haben einmal unseren "großen" gebeten mit ins Krankenhaus zukommen - als alle anderen Enkelkinder zu große Angst hatten, da ging es ihm aber auch verhältnismäßig gut. Und er wollte auch und war froh, dass er da war. Sprich mit Mama und Papa darüber, dass es manchmal über deine kräfte geht - es hat nichts damit zutun, wie sehr du deinen Papa lieb hast. So ein Rückzug ist hilfreich für die Seele, um neue Kraft zu tanken.
kannst du das Schuljahr im Zweifel wiederholen ? Ob die Wohnung/haus sauber ist, ist im Moment nicht wichtig, da kann mama oder du auch mal fuschen. Es muss auch kein 3-gänge Menü auf dem Tisch stehen, Pizza und Pommes tun es auch. Setz dich nicht selber unter Druck, wenn dir dass Lernen aber hilft, ist es auch gut - du machst nichts falsch. Weil es muss ja irgendwie weitergehen.
Schön, dass du eine "freundin" hast mit der du reden kannst - auch das ist in Ordnung. Völlig klar, dass du mit deine Mutter nicht über deine Ängst reden kannst - konnte ich mit meinem mann auch nicht - es war immerhin sein papa.
An beide - fühlt euch lieb im den Arm genommen und alle kraft und Hoffnung für die nächste zeit.
LG kerstin
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