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Alt 22.12.2006, 10:55
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Blauerschmetterling Blauerschmetterling ist offline
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Standard AW: Traurigkeit ohne Ende

Liebe Leonie Marie,
Du hast sehr viel Kummer und Leid ertragen müssen. Es freut mich, dass es Dir jetzt besser geht, mehr an Dich denkst und Deine Wünsche in den Vordergrund stellst. In vielem gleichen sich unsere "Symptome". Auch ich bin erst erst später in dieses Loch gefallen und so sehr ich mich bemühte, es war zu tief und ich kam nicht mehr heraus. Heute geht es mir körperlich und seelisch sehr gut. Sicher bin ich schneller erschöpft und ohne Energie. Ich habe lernen müssen, mit meinen Kräften zu haushalten und mehr Ruhepausen einzulegen. Sollte mal eine Traurigkeit aufkommen, so ist sie nicht mehr langfristig. Dabei helfen mir Antidepressiva, die tatsächlich die Stimmung aufhellen. Nochmehr hat mir allerdings mein Hund geholfen, den ich im August bekommen habe. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, fühlte mich oft überfordert mit einem Welpen, möchte ich meinen Luka nicht mehr missen. Er hat mich verändert mit seinem lieben, anhänglichen Wesen. Der Hund, ein Retriever, hat mir mein Lachen zurückgebracht und ich bin stolz, wenn ich mit meinem Riesenbaby, 7 Mon. alt, Gassi gehe oder Besorgungen mit ihm erledige. Und es stört mich nicht mehr, dass er meinen Tagesablauf durcheinander bringt. Diese Spaziergänge sind für mich Entspannung und ich fühle mich wohl. Das war für mich die beste Therapie.
In einem Punkt stimme ich Dir nicht zu, bzw. Deiner Psychologin. Es ging darum, dass jemand nicht genug getrauert hat und noch nach zwanzig Jahren weint. Ich habe nach dem Tod meiner Mutter lange und intensiv getrauert und brauchte ärztliche Hilfe. Mit der Zeit trauert man tatsächlich nicht mehr so schwer, die Seele kommt langsam zur Ruhe. Doch gibt es immer wieder Momente , in denen ich meine Gefühle nicht mehr beherrschen kann und ich schäme mich meiner Tränen nicht. Sie fehlt mir eben so, auch wenn man versucht vernünftig zu sein. Muss dieser Mensch nicht sehr viel an Liebe und Wärme zurückgelassen haben, wenn man nach Jahren immer noch einige Tränen weint? Diese Entgültigkeit ist es, die schmerzt aber auch zu unserem Leben gehört.
Liebe Leonie, ich wünsche Dir, weiterhin so stark zu bleiben aber auch Gefühle zuzulassen. Pass gut auf Dich auf.

Eine frohe und besinnliche Weihnacht wünscht Dir
Anneli
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