Hallo Silvia,
nein, ich habe nichts dergleichen erlebt, habe aber eine Menge an Lebenserfahrung zu bieten.
Natürlich ist das kein feiner "Zug" von deinem Chef, aber versetz dich mal in seine Lage. Da ist ein kleiner Betrieb, der schon seit Wochen auf seine Angestellte verzichten muss. Der Chef musste irgendwann handeln und gesetzlich gesehen ist er leider im Recht. Er kann nun eine "gesunde" Dame einstellen und erhält gegen Lohn auch Arbeitseinsatz. Dass du inzwischen Krankengeld bekommst und dem Betrieb nicht mehr "zur Last" fällst, ist nicht relevant. Tatsache ist, dass du nicht vor Ort bist und die anfallende Arbeit erledigen kannst.
Ich habe jetzt ganz bewusst die emotionale Seite weggelassen, denn in dieser Hinsicht bin ich natürlich deiner Meinung! DU stehst jetzt auf der Straße, DU hast während der Chemo gearbeitet (was du wirklich nicht musstest) und wahrscheinlich hast du auch vor der Diagnose dein Bestes gegeben. DAS, liebe Silvia, zählt nun alles nicht mehr, DAS ist Vergangenheit. Frustrierend ist das selbstverständlich und du hast auch mein volles Mitgefühl!
Aber jetzt schau möglichst bald nach vorne. Trauere keinen vergangenen Dingen nach, dafür bist DU einfach zu wichtig! Versuche auch nicht mehr, den Chef anzurufen... er sieht auf dem Display deine Rufnummer und geht nicht ran. Feige, nenne ich das, verdammt feige!
Aber selbst wenn es zu einem Gespräch käme... es würde sich ja nichts an der Kündigung ändern, oder?
Also lass es, liebe Silvia, schone deine Nerven und lass dem Chef seinen Zucker.
Melde dich sofort beim Arbeitsamt (heißt ja jetzt Agentur für Arbeit ;-) ) und bespreche dort die Situation. Du bekommst ja noch lange Krankengeld und hast ja auch noch etliche Wochen an Therapien vor dir. Das Krankengeld wurde früher trotz Kündigung weiter gezahlt. Allerdings hat sich in dieser Hinsicht viel geändert und deshalb rate ich dir, deine Krankenkasse einfach mal anzurufen. Ich habe etliche Male angerufen und bin immer freundlich und zuvorkommend aufgeklärt worden. Also keine Angst, liebe Silvia!
Reha ist übrigens TROTZ Kündigung möglich! Du sollst ja schließlich dort wieder arbeitsfähig gemacht werden...
Und wenn ich DU wäre, würde ich jetzt (nach der Kündigung) eine Rentenzahlung anstreben; auf Zeit natürlich. Hast du die letzten 5 Jahre Beiträge in die RV eingezahlt, ist das nämlich nicht nur möglich, sondern in deiner jetzigen Situation das beste.(Arbeitslosengeld kannst du dann NACH der Zeitrente beziehen und hast dann immer noch genügend Zeit für weitere Überlegungen).
Gleich zu Beginn der Reha (bei der Eingangsuntersuchung) musst du das aber sofort dem Kurarzt mitteilen, sonst gibt es Probleme. Und mach nicht den Fehler, die Rente als "Ersatz von Arbeitslosengeld" zu bezeichnen! Die Kündigung an sich ist ja nur auf Grund der Betriebsgröße ausgesprochen worden und hat nichts mit deiner erbrachten Leistung dort zu tun!
Auch ohne Kündigung steht dir nach einer intensiven Krebstherapie (wie bei dir) eine Arbeits-Auszeit zu und erst recht, wenn man sich absolut nicht arbeitsfähig fühlt. Fühlst du dich denn momentan arbeitsfähig oder eher nicht?
Fazit: Trauere nicht deinem alten Betrieb nach; orientiere dich nun neu und dabei sollte an erster Stelle nur eine einzige stehen: DU! Strebe nur solche Dinge an, die DIR gut tun! Du hast es haushoch verdient, glaub mir!
Liebe Grüße
Norma
Diagnose Brustkrebs Nov. 2001 und mit vierter Rentenverlängerung bis 2008