Hallo lieber Sami/Michael,
ich wollte Dich nicht herausfordern, Dich hier zu "entblättern", nur ist es halt einfach auffällig gewesen, daß Du mit Deinen Ängsten schon ziemlich am obersten Limit (oder auch etwas drüber...) warst/bist - noch dazu, wo ja noch gar nicht raus ist, ob und falls tatsächlich doch, was Du dann für ein MM hast! Das liegt doch alles noch völlig im Dunkeln und kann sich alles noch in völliges Wohlgefallen auflösen!
Zu Deiner Situation kann ich mich natürlich nicht äußern, aber wenn Du unter einem Reizdarm und hohem Blutdruck leidest, so sind das schon Krankheiten, die immer auch den Schluß auf psychische Auslöser und/oder Streß zulassen. Freilich würde ich mir niemals anmaßen zu sagen "das ist so", aber ich selbst habe (weit vor meiner Diagnose aus einem ganz anderen Grund) von 1995 bis 1999 eine Psychotherapie gemacht und bin derart gestärkt und gefestigt daraus hervorgegangen, daß ich jedem mit einer Krebsdiagnose sowieso, aber auch jedem anderen, der psychische Probleme hat, dringend anrate, die Hilfe eines Fachmannes/einer Fachfrau in Anspruch zu nehmen. Dafür gibt es ja Psychologen! Wenn Dein Auto kaputt ist, gehst Du vermutlich auch nicht zum Bäcker damit! Ob Du eine Therapie "nötig" hast oder nicht, kannst nur Du entscheiden. Sicher ist aber, daß Männer eher dazu tendieren, sich selbst durch schwierige Situation "durchzubeißen" zu wollen, anstatt sich kompetente Hilfe zu holen und die Situation schneller, besser und oft auch endgültig zu bereinigen. viele legen es als Schwäche aus, eine Therapie zu machen - genau das Gegenteil ist eigentlich der Fall. Zu der Erkenntnis, daß man Hilfe braucht und die dann auch anzunehmen, gehört in der Regel viel mehr Mut und Kraft, als einfach zu sagen: das brauche ich nicht. Eine Therapie ist nämlich kein Spaziergang, sondern eher harte Arbeit... Das meine ich jetzt aber nicht speziell auf Dich bezogen, sondern ganz allgemein.
Was die Arbeitsfähigkeit betrifft, so darfst Du nicht vergessen, daß die allermeisten Betroffenen hier Frauen sind. Ich selbst bin seit 27 Jahren Rentnerin - aber nicht wegen des MMs, sondern weil ich fast blind bin. Andere betroffene Frauen haben kleine Kinder und waren deshalb schon vor der Diagnose daheim und nicht berufstätig. Sicher gibt es MM-Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr arbeiten können, das ist aber ganz sicher nicht die Regel und wenn überhaupt, erst ab Stage III/IV - und da kommt man (Gott sei Dank!) nicht sooo schnell hin!
Wegen des worse case brauche ich ja wohl kaum etwas dazuzusagen.... Ich bitte Dich aber herzlich immer dran zu denken, daß Du bis jetzt immer noch als gesund giltst und hier wirklich genug Leute sind - meine Wenigkeit eingeschlossen - die ums nackte Überleben kämpfen! Da geht es nicht um ein MM mit 0,5mm CL II oder so (wobei ich eine derartige Diagnose keinesfalls herunterspielen will!!!!), sondern darum, daß die Organmetas einem nach und nach das Leben abdrücken! Und dann kommst Du und meinst, weil Du EVENTUELL ein MM haben KÖNNTEST, mußt Du Deinen Nachlaß regeln? Sei mir nicht böse, lieber Michael, aber das ist schon heavy!
Ja, ich muß sagen, Dein letztes Posting klingt auch schon viel "vernünftiger" - was aber wirklich nicht heißen soll, daß Du Dir hier nicht Deinen Frust und Deine Angst von der Seele schreiben können sollst! Vielleicht hast Du Dich einfach nur in Deine Angst hineingesteigert und Dich selbst hochgeschaukelt. Ich wollte und will Dich zu gar nix überreden, Dir aber sehr wohl die Möglichkeit einer Psychotherapie aufzeigen. Ob und wann Du das in Erwägung ziehst, ist einzig und allein Deine Entscheidung. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, daß Du das Forum zu irgendwas mißbrauchst (ließen wir uns doch auch gar nicht gefallen..

), es war nur schon auffallend, wie sehr Du Dich in einiges hineingesteigert hast. Gut, wenn Du wieder etwas mehr Bodenhaftung hast! Ich wünsch Dir - auch wenn wir MM-ler ja nicht in die Sonne dürfen

- daß für Dich die Sonne weiterhin scheint!

Liebe Grüße
Claudia