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Alt 14.03.2007, 12:14
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Tato Tato ist offline
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Standard AW: Thread für junge Angehörige von Krebskranken

Hallo zusammen,

ich kenne das mit den Freunden sehr gut. Ich hatte mal mehrere Bekannte, aus denen gerade Freunde wurden. Diese brachen plötzlich den Kontakt ab. Zum Teil trägt dazu bei, dass ich wirklich selten in der Uni bin, aber die sind auch nicht öfter da (haben aber keine großen Sorgen).
Ich musste mich in einem Seminar sooo aufregen... es ging um Prüfungsstress und welche Probleme meist noch dazukommen - nerviger Liebhaber, Freundin hat Liebeskummer, Mutter will, dass ihr Kind mal Heim kommt und der Arbeitgeber vom Nebenjob will, dass sie arbeitet... Echt, die haben ja wirkliche Probleme... *kopfschüttel*
Nur eine Studentin hatte Verständnis für meinen Einwand, dass es auch Studenten gibt, die ernsthafte Probleme haben... "Geoutet" habe ich mich nicht, aber mich hat das so aufgeregt...

Mensch Anna, ich kann dein Gefühl sehr gut nachvollziehen. Auch ich habe recht schnell herausgefunden, dass meine Mutter laut Statistik eine Überlebensrate von 5% hat. Das war ein ganz schöner Schock.
Seitdem sind zwar etwa 3 Jahre vergangen, aber ich befürchte, dass die Statistik recht haben wird.
Leider gibt meine Mutter sich total auf. Sie will nichts. Nicht essen, keine Ausflüge, nicht Kämpfen... nichts. Das raubt mir echt den letzten Nerv. So langsam werde ich den Gedanken nicht los, dass psychische Gründe hinter der Essensverweigerung stehen. Sie sagt, sie hat keinen Hunger und ihr schmeckt nichts, sie hätte auch nichts Appetit. Aber auf irgendetwas muss sie ja Appetit haben - ob jetzt auf Pudding, Nudeln o.ä. Sie hat anscheinend kein Hungergefühl. Sie isst im Moment nur morgens und abends etwas, aber immer sehr sehr kleine Portionen. Morgens eine Halbe Banane und einen Joghurt, tagsüber nichts, abends zwei Eier auf Toast ohne Toast, also nur zwei Eier... Das reicht ja niemals.

Meine Psychologin hat mir erzählt, dass viele Patienten gar nicht einschätzen können, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist. Selbst 7 Tage vorher fahren diese noch in den Urlaub, mit der Überzeugung, zurückzukehren - wobei Außenstehende erkennen, dass er nicht zurückkehren wird.
Auch Angehörige sind davon "betroffen" und merken die Brisanz nicht - so auch mein Vater und mein Onkel. Das ist psychische Verdrängung. Ich denke, dass ich die Brisanz richtig einschätzen kann, mir es aber mit der Verdrängung wahrscheinlich besser gehen würde...

Kamilla, mein Opa ist an einem Hirntumor verstorben. Daher kenne ich auch die epileptischen Anfälle. Zudem bekam er eine Lungenembolie und eine Thrombose. Er wurde durch den Tumor auch noch dement, ich wünsche deinem Vater, dass ihm/euch das "erspart" bleibt. Ist dein Vater daheim? Kommt vielleicht für deinen Vater die Gamma-Bestrahlung in Frage oder ist der Tumor dafür schon zu groß? Bei meinem Opa ging das leider nicht mehr.

LG
Tanja

Geändert von Tato (14.03.2007 um 15:32 Uhr)