AW: Krebs überstanden aber ich kann mich nicht freuen ?!?!
Hallo Anna,
als Betroffene (Diagnose 2003 kleinz.Bronchialkarzinom) mit bis jetzt anhaltender Remission kann ich durchaus nachvollziehen, warum die Freude nicht Oberhand nimmt. Wenn man im Internet recherchiert, wenn man Mitpatienten an der gleichen Diagnose versterben sieht, wenn man die Beiträge auch hier im Krebskompaß liest, dann ist der Glaube so unwirklich, "es" geschafft zu haben. Genauso wird es Dir als Tochter ergehen. Einerseits will man bedingungslos auf den Zustand der Genesung vertrauen, andererseits sitzt einem die Angst und Qual im Nacken. Ich glaube, genau diese Angst verhindert die Freude, weil man dem "Frieden" nicht traut - gerade, weil man informiert ist. Die gepeinigte Seele klopft leise an die Ratio und flüstert....es ist geschafft....und der Verstand stellt sich quer und murmelt....warum sollten ausgerechnet WIR es geschafft haben? Noch ist nichts entschieden, noch kann ein Rezidiv jegliche Hoffnung zerstören....
Ich lebe bis heute mit diesen Zweifeln und mit dieser Angst. Aber auch die Tage mit Freude und Lebensmut werden immer mehr. Der Krebs wurde bei Deinem Vater sehr sehr früh entdeckt, es scheint ihm - nach Deinen Zeilen zu urteilen - gut zu gehen. Du wirst sicherlich noch einige Zeit brauchen, um das Erlebte zu verarbeiten, um der Remission zu vertrauen, um die Angst zu verlieren, daß Dein Vater geht. Aber...genau diese Zeit arbeitet auch für Deinen Vater und für seine Genesung.
Ich wünsche Dir, Deinem Vater sowie Euren Lieben alles erdenklich Gute.
Anne
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