Einzelnen Beitrag anzeigen
  #135  
Alt 08.05.2007, 19:44
Benutzerbild von tinchen71
tinchen71 tinchen71 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 28.10.2005
Ort: Nähe Düsseldorf
Beiträge: 658
Standard AW: Der Wille zu leben oder zu sterben

Liebe Tanni, Ihr lieben

ja, das ist ein sehr nachdenkliches Thema, Ich habe mir auch schon oft nach dem Tod meines Mannes im Februar Gedanken darüber gemacht.
Mein Mann war ein Kämpfer, seit Geburt gehbehindert durch eine Fehlstellung der Hüfte, die damals noch nicht richtig behandelt werden konnte. Durch die "falsche" Gangart viele Probleme mit der HWS, Bandscheibe etc. Dann ein Aterienverschluss im Bein der durch eine schwere Bypass-OP reguliert werden konnte und dann 2005 die Diagnose Lungenkrebs. Immer hat er kämpfen müssen, damit es ihm gesundheitlich nur annähernd so gut geht wie seinen Altersgenossen.
17 Monate haben wir gekämpft, aber die letzten 4 Monate sind die, über die ich mir die meisten Gedanken mache. Eine Metastase an der Brustwirbelsäule wurde diagnostiziert, die Schmerzen kamen, die Dosen an Schmerzpflastern u.ä. wurden immer höher, aber er hat nicht aufgegeben.
Rückblickend hätte er bestimmt allen Grund dazu gehabt, denn er muss unsagbare Schmerzen gelitten haben.
Er wollte nicht sterben, ich habe es so empfunden, denn ich war bei ihm.
Er hat bis zum letzten Atemzug gekämpft, da war kein Frieden, keine Ruhe.
Der Tod hat ihn sich einfach geholt !
So habe ich das empfunden und habe meine liebe Not damit, zu akzeptieren, das seine Kraft zu Ende, aber sein Lebenswillen ungebrochen war. Seine Tante hingegen (87 Jahre, mind.10 Schlaganfälle) hat 3 jahre im Altenheim den Tod herbeigesehnt, wollte sterben, da ihr das Leben nicht mehr lebenswert schien. Sie wollte nicht mehr kämpfen sie wollte einfach einschlafen, es blieb ihr lange verwehrt.
Es fällt mir schwer, darin nicht eine gewisse Ungerechtigkeit zu sehen.

Um aber zur Ausgangsfrage zurückzukommen, kann ich sagen, das wenn bei meinem Mann der Wille zu leben nicht so stark gewesen wäre, hätte er keine 17 Monate mehr gelebt.
17 Monate, die er sich durch seinen Kampfgeist und den Willen jede angebotene Therapieoption wahrzunehmen, hart erarbeitet hat.
Von März bis September/Oktober letzten Jahres hatte er sogar eine sehr passable Lebensqualität, wir konnten noch vieles gemeinsam genießen..

Ich kann momentan nicht mehr dazu schreiben..

Es grüßt Euch alle
Christina.
Mit Zitat antworten