Hallo, nachdem ich nun schon eine ganze weile immer mal wieder hier gelesen hab, und die letzten zwei abende damit verbracht habe, diesen thread zu lesen (ca. 50% hab ich geschafft...), dachte ich, ich melde mich auch mal zu wort.
also erstmal finde ich es ganz toll, wie tapfer ihr alle seit, trotz eurer mehr als schwierigen situation.
ich bin auch indirekt über meine angehörigen und freunde betroffen...
ich lebe alleine und hatte vor den diagnosen eher ein distanziertes verhältnis zu meiner familie... also man sah sich halt weihnachten und geburtstag, telefonierte vielleicht noch ab und an, aber eigentlich ging jeder seinen weg. mich haben erst die diagnosen ins nachdenken gebracht, dass ich daran vielleicht was ändern könnte... dass es irgendwann vielleicht keine gelegenheit mehr gibt, mich mit dem menschen auszutauschen.
ich hatte im herbst das erste mal das forum hier aufgesucht, da meine tante die diagnose magenkrebs (T3 Nx M0, siegelringzellkarzinom... vor der op... die histo vom op präparat hat man ihr nicht mitgeteilt, was ich auch irgendwie komisch finde) bekommen hatte, und ich mich informieren wollte, wie die chancen sind und was für therapien es gibt. damals hab ich aber nur bisschen gelesen. einen monat später bekam meine andere tante die diagnose pankreas CA mit lebermetasaen; die ärzte gaben ihr noch ein halbes jahr... das halbe jahr ist rum, und sie ist (mit chemo und hyperthermie) noch immer in einem stabilen zustand... das wunderte selbst die ärzte, aber es zeigt mal wieder, dass jeder einzelfall anders ist und es nicht immer so laufen muss, wie die statistiken sagen.
meine andere tante hat inzwischen chemo - OP - und nochmal chemo hinter sich und ist jetzt in der reha. es geht ihr den umständen entsprechend gut. sie ist von anfang an sehr positiv an die sache heran gegangen... in der klinik haben sie sie immer zu den depressiven patienten in ein zimmer gelegt, damit sie die aufbauen kann

sie wirkt nach außen hin sehr tapfer, aber natürlich hat auch sie angst vor dem rezidiv. wenn man länger mit ihr spricht, merkt man das auch.
die nachricht von der diagnose war natürlich erstmal ein schock... es war als ob alles kopf steht. aber da meine tante sehr, seht tapfer war und bloß niemand belasten wollte und versucht hat, so normal weiter zu leben wie möglich, ist bei uns auch schnell wieder normalität eingekehrt.
es war eher umgekehrt, nämlich dass meine tante überhaupt nicht damit umgehen konnte, dass alle plötzlich so geschockt und so komisch ihr gegenüber waren. dass leute bei irh angerufen und ihr ins telefon geheult haben, so dass sie dann die anderen getröstet hat ! eine zeit lang ging sie gar nicht mehr ans telefon.
ich habe durch die krankheit ein engeres verhältnis zu meiner tante bekommen. ich hab sie im kh besucht; wir haben uns lange unterhalten... dann waren wir zusammen auf dem grönemeyer konzert, da wir beide fans sind

eigentlich traurig, dass sie erst krank werden musste, damit wir uns mal näher kommen.
als die ärzte meiner anderen tante nurnoch ein halbes jahr gaben, wusste ich auch nicht, was ich tun sollte. wir hatten sonst auch wenig kontakt; und mich dann, wo ich das weiss, plötzlich melden ?
gleichzeitig mit der krebs-nachricht meiner ersten tante (weiss nicht mehr ob es davor oder danach war), hab ich erfahren, dass ein freund von mir im sterben liegt... das hat mich dann wirklich umgehauen. wir hatten schon eine weile keinen kontakt mehr; wir wohnen nicht in derselben stadt und haben immer nur ab und an mal telefoniert. er hatte familiäre polyposis; eine krankheit, die, wenn man nicht in jungen jahren den dickdarm entfernt, mit 100%iger wahrscheinlichkeit zu krebs wird.... er war immer sehr dickköpfig und hat fest an seine naturheilmethoden geglaubt und daran, dass gott ihn heilt ! er wusste alles über seine krankheit und dass diese op notwendig ist, aber er hat sich geweigert die OP machen zu lassen und wollte sich noch nichtmal untersuchen lassen. obwohl sein vater bereits an derselben krankheit gestorben ist. es ging ihm vor 2 jahren schonmal ziemlich schlecht, aber da hat er sich irgendwie nochmal wieder auf gerappelt.
bevor ich erfahren hab, dass er im sterben liegt, hatten wir ein halbes jahr nicht telefoniert.... ich hatte keine ahnung ! als ichs von einer gemeinsamen bekannten dann erfahren hab, ging es ihm schon so schlecht, dass ich nicht mehr wusste, ob es jetzt noch angebracht ist, ihn zu besuchen. seine mutter war tag und nacht bei ihm und er hatte auch nicht den wunsch geäußert, mich sehen zu wollen. ich war so verunsichert; dachte ich kann mich ja nicht ein halbes jahr nicht melden, und dann plötzlich in der tür stehen. es schien mir einfach zu spät.
ich hatte so eine angst vor der nachricht von seinem tot, dass ich telefonstecker raus gezogen hab.
es war feige, ich weiss, aber ich wusste nicht wie ich damit umgehen sollte.
es kam so plötzlich und ich hab es viel zu spät erfahren.
ich würde niemals jemanden im stich lassen, zu dem ich vor der erkranlunf schon engen kontakt hatte, nur weil er krank wird.
nur wenn man auch ohne krankheit nicht so viel kontakt hatte, und dann plötzlich wird jemand krank, ist es schwer wie man richtig damit umgehen soll.
danke fürs lesen.
Sophie