Hallo an Euch alle,
ich habe viele Beiträge hier gelesen und vor allem die beiden von Tonks und LilaNelke haben mich sehr berührt. Ich musste ersteinmal weinen und hatte keine Kraft, mich anzumelden. Ich war auch noch nie in einem Forum und weiß gar nicht genau wie man das alles bedient etc.
Aber ich bin so froh, dass es vielen jungen Frauen ähnlich wie mir geht und erhoffe mir Austausch und Trost. Ich fühle so sehr mit Euch!
Ich habe am 9.11.06 meine geliebte Mutti verloren. Sie war 61 und hat seit 2001 mit Brustkrebs gekämpft. Ich selber bin jetzt 30. Ich habe oft gedacht, dass sie es doch noch schafft und dann kam das Ende so langsam angeschlichen, dass es mich bis heute nicht loslässt und ich es auch nicht begreifen kann. Vor allem kriege auch ich die Bilder und Situationen am Ende ihres Leidensweges nicht aus meinem Kopf. Ich möchte mich so gerne an die schönen Momente in unserem Leben erinnern, aber die scheinen mir so weit weg zu sein. Ich fühle mich alleine. Auch ich habe meine Mutter gepflegt, bis wir am Ende einen Pflegedienst hatten, weil ich im letzten Sommer selber so fertig war, dass ich in die Klinik musste, um mich psychisch behandeln zu lassen. Ich war acht Wochen weg und habe deswegen oftmals ein schlechtes Gewissen. Es hat mir aber geholfen, die kommenden Monate bis zu ihrem Tod durchzustehen. Das schlimmste war, dass sie sich durch die Chemo und die Medikamente so sehr verändert hat. Sie war recht bösartig geworden und wir haben uns viel gestritten. Ich kannte sie so gar nicht. Wir hatten immer ein super Verhältnis, wie zwei Freundinnen, und dann war sie so gemein zu mir und hat mich auch beschimpft etc. Dies war auch ein Grund warum ich in die Klinik gegangen bin.
Meine Mutti lag auch die letzten Wochen nur im Bett, hat sich aber zur Toilette hochgerappelt und noch vieles alleine versucht. Sie war so tapfer. Und ich war so hilflos. Sie hatte ein Sauerstoffgerät, dass dann Tag und Nacht an war. Ich kann das Geräusch nicht vergessen und auch wie sie so oft gestöhnt hat des nachts. (Ich weine schon wieder).

An ihrem letzten Tag war sie im Hospiz. Sie wollte selber dorthin, denn sie hat gemerkt, dass wir das alleine nicht schaffen. Und ich kann Euch sagen, es war die beste Entscheidung. Die Menschen dort sind wunderbar!
Sie starb dann in der Nacht. Es war schrecklich. Ich wurde mehrmals angerufen, dass ich kommen soll. Ich dachte niemals, dass es so schnell geht, aber sie hat dann wohl losgelassen. Ich kann Euch gar nicht sagen wie schlimm das alles war. Aber die Menschen dort haben sehr geholfen und zugehört. Ich war nachts bei ihr mit einer Freundin. Da war sie schon nicht mehr ansprechbar. Der Anblick lässt mich nicht los. Dennoch dachte ich, ich könnte nochmal mit ihr reden und bin nachhause gefahren. Als der nächste Anruf kam am morgen hat sie schon nicht mehr geatmet. Ich war schockiert.
Die nächsten Monate ging es eigentlich soweit mit mir. Mein Freund hat sich sehr gekümmert. Aber ich fühle mich immer wieder so unendlich alleine, so dass ich schon dachte, ich muss wieder in die Klinik. Ich kann mir ein Leben ohne meine Mutter gar nicht vorstellen. Ich habe keine Geschwister und keine eigenen Kinder. Mein Vater wohnt weiter weg und unser Verhältnis ist nicht mit dem zu meiner Mutter vergleichbar.
Ich hatte auch nach Gruppen junger Frauen in Berlin gesucht, die ihre Eltern recht früh verloren haben. Ich finde da nichts passendes. Aber ich würde mich so gerne austauschen mit Euch. Es versteht ja niemand, wenn man in diese lethargischen Krisen verfällt.
ich versuche mein Leben zu meistern. Mache jetzt eine neue Ausbildung, da ich mich letztes Jahr ausschließlich um meine Mutter gekümmert habe. Oft genug habe ich dennoch das Gefühl, nicht am Leben teilzuhaben. Gerade war ich im Urlaub und selbst dort ging es mir oft sehr, sehr schlecht. Bei mir wird es auch eher schlechter als besser.
Kennt jemand eine Gruppe jüngerer Leute in Berlin, die sich ab und zu treffen? Ich traue mich auch nicht mit Freunden und Bekannten zu reden, die sagen meistens nur "Ach Du, das wird schon mit der Zeit." und wollen glaub ich mehr auch nicht hören. Das ganze ist ja auch sehr deprimierend.
Ich danke Euch für Eure schönen Beiträge und freue mich, von Euch zu lesen.
Ich möchte die Hoffnung nicht aufgeben, dass es wieder besser wird - obwohl sie mich in letzter Zeit wieder so oft verlässt.
Maja