Liebe Stef, liebe Maja, liebe AndreaB,
ersteinmal lieben Dank für eure Antworten

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Ich glaube, es ist sehr wichtig, sich auch nach dem Tod weiter intensiv mit unseren Eltern, Großeltern, Partnern, Freunden, Kindern oder sonst lieben Menschen auseinanderzusetzen und das, obwohl wir wohl anscheinend vergeblich auf eine Reaktion warten. Aber diese Kommunikation ist dennoch wichtig - unabhängig davon, ob man an ein Weiterleben der Seele nach dem Tod glaubt oder nicht.
Ich glaube, es ist auch immer und ganz stark Kommunikation mit uns selbst. Wir lernen uns intensiv dabei kennen. --- Obwohl das sehr sehr schmerzvoll sein kann und ist. Aber wir lernen, dass es Dinge gibt, die uns Angst machen, große Angst, wie etwa das auf-sich-alleine-gestellt-sein, die Endlichkeit des Lebens und die Erkenntnis, das der Grat zwischen einem gesunden, mehr oder minder frohen Leben, sowie Krankheit und Tod sehr sehr schmal ist.
Damit müssen wir lernen umzugehen. --- Nur leider hat uns das nie jemand beigebracht!
Nach meinem Gefühl ist der Tod und das Sterben in unserer Gesellschaft ein ganz ganz großes Tabuthema. Wir sind umgeben von ewig-jungen, ewig-strahlenden, ewig-gesunden, ewig-gutaussehenden und ewig-wohlhabenden Menschen - zumindest wird uns das suggeriert. Krankheit und Sterben passen in dieses Bild nicht hinein. Wir werden damit nicht konfrontiert und wir wollen damit auch nicht konfrontiert werden.
...Tja, bis irgendwann dann...
Irgendwann trifft und betrifft es uns doch. Uns ganz persönlich. Nicht die Bekannte über drei Ecken, nicht die Nachbarn.
Tod, Krankheit,, Leiden,... das waren für mich immer die anderen. So etwas passierte nicht mir, nicht meiner Familie...
Doch dann wurde meine Mutter plötzlich krank, plötzlich ging alles sehr sehr schnell. Krankenhaus, Operation, Chemo. Ihr Zustand verschlechterte sich rapide. Binnen weniger Tage und Wochen wurde meine ganze Welt, mein ganzes bisheriges Leben komplett auf den Kopf gestellt. Pflege zuhause, Reha, neue Hoffnung und dann wieder Pflege zuhause, rund um die Uhr, 24h durch mich und meine Familie, immer wieder Hoffnung, und doch das langsame, stetige Nahen des Todes.
Ihr wisst es, ihr kennt es. Ihr wisst, was es bedeutet viele Jahre mitanzusehen, wie ein uns sehr lieber Mensch stirbt. Bei mir waren es "nur" knapp eineinhalb Jahre - aber es wird wohl eine der prägendsten Zeiten meines Lebens bleiben. Vieles, sehr vieles hat sich seitdem in meinem Denken und in meinem Verhalten geändert.
Es wird wieder gut. Aber anders.
Ich habe mal überlegt, was ich als "schlimmer" empfinde und empfand. Dass meine Mutter tot ist, dass meine Mutter sterben musste (so früh) oder mitanzusehen, wie sie starb. ...
Jeder wird und muss sterben. Irgendwann. Es klingt kalt und es klingt hart und dennoch "funktioniert" das Leben genau so. Menschen werden geboren, Menschen sterben. Menschen entwickeln sich.
Als meine Mutter krank wurde, als sie starb, habe ich - und das kennen wahrscheinlich viele von euch - "den lieben Gott" gefragt und angeklagt, wie er so etwas zulassen könne?! Warum?!
...nun, ob es eine Antwort auf dieses "warum" gibt, das weiß ich nicht. Es ist - heute - für mich aber auch nicht mehr wichtig.
Es war vielmehr Ausdruck der eigenen Hilflosigkeit. Meiner eigenen und der, der Menschen um mich herum. Eine Suche nach einer Antwort, nach einer Erklärung und vielleicht auch nach einem "Schuldigen" für die unfassbaren Dinge, die sich plötzlich vor meinen Augen abspielten.
... ich weiß nicht, wie es euch im Einzelnen erging. Ihr ward (soweit ich das mitbekommen habe) schon etwas älter, als eure Mütter/Väter krank wurden. Das heißt, ihr hattet vielleicht schon eine andere Ebene der Beziehung, ward selbst reifer, erfahrener und selbstständiger. Und doch sind da viele Dinge, die beschreibt ihr ganz genau so, wie auch ich sie erlebt habe.
Heute wünsche ich mir, die Kommunikation zwischen meiner Mutter und mir, zwischen ihr und meiner Familie und untereinander wäre 100%ig offen gewesen. ...Das ist Utopie, das ist mir schon klar - und dennoch würde ich mir das wünschen. Denn ich weiß nicht, wie ihr das erlebt habt, aber bei uns wurde relativ wenig über die Gefühle gesprochen, die jeder von uns hatte. Ich glaube, jeder von uns hatte Angst vor den Reaktionen der anderen. Angst davor, zusammenzubrechen. Angst davor, das Leiden meiner Mutter, das Leiden der anderen noch zu vergrößern, wenn er oder sie offen ihre oder seine Gefühle zeigt.
Heute glaube ich, dass das falsch ist und war.
Keiner hätte dem anderen sagen können, dass alles wieder gut wird, keiner hätte sagen können, dass die Zukunft leicht wird. Keiner hätte dem anderen die Schmerzen und die Verzweiflung wirklich nehmen können... und dennoch... man wäre näher beieinander gewesen. Man hätte den anderen unmittelbarer und mehr von seinem wirklichen und inneren Wesen her angenommen.
Vielleicht hätte man wahrhaftiger geliebt.
...tut mir leid...eigentlich wollte ich etwas anderes schreiben und auch nicht so lang und so unsortiert...

...vielleicht später