Liebes Sternchen, liebe Andrea,
meine Mutter ist auch zu spät zum Arzt gegangen und ich frage mich bis heute wieso. Ich hatte auch ihren Knubbel gesehen, wie er immer größer wurde, und habe nicht viel tun können. Ich denke Andrea hat soweit Recht, als dass man Angst vor der Wahrheit hat und lieber die Augen lange Zeit zu macht. Das ist falsch, aber es geschieht so oft. Meine Mutter war immer die mutigste Person, die ich gekannt habe, aber sie muss auch Angst gehabt haben. Bestimmt verschließt man sich dann auch vor der Realisation, wirklich krank sein zu können. Eine wirkliche Erklärung finde ich nicht. Ich dachte auch bis kurz vor dem Ende, dass sie es noch schaffen würde. Ich habe auch viel im Netz recherchiert und war mit ihr bei vielen Ärzten. Am Ende muss ich auch vielen ein großes Maß an Unfähigkeit bezeugen. Sie sind selber hilflos im Angesicht einer solchen Krankheit und vertrauen eben auf die Chemie. Diese macht oft mehr kaputt als das sie hilft, aber sie verlängert das Leben ein Stück weit. Unter welchen Bedingungen ist eine andere Sache... Aber das wisst Ihr ja alle...
Meine Mutter wäre jetzt am Freitag 62 Jahre alt geworden. Ich kann es nicht glauben... Sie ist nicht mehr bei mir. Den Schmerz kann man nicht beschreiben und er ist nicht besser geworden. Ich spüre ihn in letzter Zeit eher deutlicher als kurz nach ihrem Tod. Da musste ich mich um so viel anderes kümmern.
Ich bin mir nicht sicher wie ich ihn bewältigen soll und ob er überhaupt je aufhören wird. Ich versuche mich viel abzulenken. Meine Schule hat heute wieder angefangen und es hilft schon. Aber wenn man alleine ist, dann befällt mich die Trauer so oft, dass ich nicht mal raus gehen und einkaufen kann oder ähnliches.
Was machen wir bloß?
Ich wünsche Euch eine gute Nacht. Ich freue mich jedesmal, wenn ich meiner Mutter im Traum begegnen darf, dann möchte ich am liebsten nicht mehr aufwachen.
Liebe Grüße an Euch von Maja