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Alt 13.11.2007, 14:12
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Tato Tato ist offline
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Registriert seit: 03.09.2005
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Standard AW: Weihnachten als Hinterbliebene

Hallo Anke,

nein, ich habe das Gefühl, dass er mich nicht akzeptiert. Er würde das natürlich abstreiten.
Er akzeptiert nicht, dass ich eine eigene Meinung habe und bereits erwachsen bin. Wenn ich größere Entscheidungen treffe, mischt er sich grundsätzlich ein. Das ist ja üblich für Eltern und wäre auch ok, wenn er dann versuchen würde, das Problem neutral anzugehen. Er will mich aber nur von seiner Meinung überzeugen - diese Absicht ist eindeutig. Als guter Redner und Verkäufer stehen seine Chancen dann auch recht gut...
Meinen Freund akzeptiert er auch nicht richtig. Es war schon mal besser, aber inzwischen ist es auch da nicht ganz eindeutig.
Das betrifft jetzt nur die Sachinformationen... Gefühle kann er weder erkennen, noch akzeptieren oder respektieren.
Zudem akzeptiert er inzwischen seine Vergangenheit nicht mehr. Ich gehöre ja irgendwie auch zur Vergangenheit und bin daher wohl für ihn nicht richtig einordbar.

Sicherlich, ich habe mich auch verändert. Nicht nur durch den Verlust, sondern schon viel früher. Zuvor ist mein Opa an einem Hirntumor verstorben. Leider hatte ich keinerlei Einfluss auf die Aktionen von meinem Vater und seinen Bruder (der nach seiner Pfeife tanzt). Die haben alles bestimmt. Ich - als junges Ding - habe zwar meine Meinung gesagt und wollte helfen, wurde aber missachtet.
Ich wollte es besser machen und habe es auch besser gemacht.
Ich habe gelernt noch mehr zu organisieren, Verantwortung zu tragen (nicht nur für mich, sondern auch für meine Mutter), bin reifer geworden (war ich ohnehin schon mehr als üblich) und nachdenklicher geworden. Nachdenklich über das Leben und die Gesellschaft insgesamt.
Ich konnte schon vorher gut nein sagen, was ich in dieser Zeit wieder oft verwenden musste. Manchmal muss man ein kleines Schwein sein, um anderen etwas gutes zu tun und um sein Recht zu bekommen.
Ich habe auch gelernt, dass man sich nicht auf andere verlassen kann - schon gar nicht auf Ärzte und Behörden.
Auch auf die Familie ist manchmal in schweren Zeiten nicht Verlass. Mein Vater hat mich am Tag nach dem Tod meiner Mutter zur Weißglut gebracht. Ich habe so stark um "mein Recht" (und das meiner Mutter) und meine Meinung gekämpft, dass mir der Schweiß aus der Hand mit dem Telefonhörer lief und den Arm heruntertröpfte. Alleine aus Wut und Verzweifelung auf der anderen Seite der Leitung einen enormen Dickschädel zu haben, der keinerlei Verständnis für meine Situation mitgebracht hat.

Viele Grüße
Tanja
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