AW: zum sterben nach hause kommen
Liebe Jessy,
ich schon wieder.
Mein Vater hat es so gemacht,wie Michaeles Mutter. Ich war bei Ihm bis zum letzten Moment. Das heißt,fast bis zum letzten Moment.
Ich habe ihn noch auf dem Wwg von der Intensivstation auf das Einzelzimmer beleigtet. Was er davon noch mitbekommen hat,weiß ich nicht. Aber ich mir sicher,er wusste das er nicht alleine war.
Als ich dann doch einmal ganz kurz das Zimmer verlassen habe,ist er gegangen. Ich bin heute der Meinung,das er gewartet hat,bis ich weg war. Es waren höchstens fünf Minuten,aber diese Zeit hat er für sich ganz persönlich gewählt.Und ich bin ihm bis heute dankbar dafür.
Meine Schwester,wollte damals meinen Vater unbedingt nach Hause holen. Zu unserer Mutter,die mit der Pflege total überfordert gewesen wäre. Meine Mutter ist zur Zeit selber ein Pflegefall. Sie schafft es nur noch vom Sesssel ins Pflegebett (steht im Wohnzimmer),das Mittagessen wird gebracht und zum Frühstück und Abendessen unter größten Anstrengungen noch bis in die Küche. Das Haus verlassen kann sie gar nicht mehr.bezw. nur noch mit Rollstuhl. Und dann ist das Problem wie kommt die Frau aus dem Haus. Bisher haben wir es immer wieder geschafft,wenn auch unregelmäßig mit ihr in die Stadt zum bummeln zu fahren. Aber das wird auch immer schlechter. Aber sie lebt halt noch in Ihren eingenen vier Wände. Nur wie lange das noch geht,ist halt die große Frage.Aber das ist ein anderes Thema.
Meine Schwester,von Beruf Sozialpädagogin mit therapeutischer Zusatzausbildung,wollte oder konnte den Tatsachen auch nicht ins Auge blicken. Sie hat nicht verstanden,das mein Vater gehen wollte.
Ich habe dann mit dem Arzt noch einen "Deal" gemacht,Mein Vater sollte in ein anderes Krankenhaus verlgegt werden. Dort gab es eine Geriatrie,wo diese Patienten aufgebaut und mobilisiert werden. Dem Arzt und mir war eigentlich klar,das es sich nur noch um eine kurze Zeit handelte,aber für meine Mutter und meine Schwester war es ein Lichtblick in der Dunkelheit.
Mein Vater hat uns dann doch die Entscheidung "abgenommen".Ich habe ihn bis heute in Erinnerung so wie er war.Immr für uns Kinder und Enkelkinder da.
Meine Mutter sagte im nachhinein,das es eine gute Entscheidung war,und das sie mit der Pflege trotz Pflegedienst hoffnungslos überfordert gewesen wäre.
Vielleicht fragst Du Deine Tante mal,ob sie auch möchte das ihr Wunsch nach einem menschwürdigen Tod nicht akzeptiert und respektiert wird. Ich denke das jeder Mensch frei sein solte in seiner Entscheidung,den Weg zu gehen,den er gehen möchte. Zumal wenn er sehr krank ist.
Ich habe eigentlich mit den behandlenden Ärzten die Erfahrung gemacht,das sie das Leben nicht um jeden Preis verlängert haben. Sie haben versucht die Zeit die meinem Vater noch blieb,so angenehm wie möglich gemacht. Sie haben alles getan ,damit er Erleichterung hatte. Und das war für mich auch sehr wichtig.
Ich persönlich möchte mich ,wenn meine Zeit irgendwann abgelaufen ist,mit aller Macht in diesem Leben gehalten werden.Sondern ich wünsche mir auch Ärzte ,die mir das Leben ,das ich dann noch habe erleichtern.
Ich habe mal einen sehr schönen Satz gelesen.
Er lautete: "GIB DEN TAGEN MEHR LEBEN :ABER NICHT DEM LEBEN MEH TAGE"
Für mich ist dieser Satz nach wie vor sehr wichtig,und er hilft mir über manche schwere Zeit hinweg.
So,jetzt aber Schluss mit meinem Geschreibsel. Hoffe sehr ,das der Port heute gelegt werden konnte,und das Deine Oma dann wenigstens etwas Erleichterung hat.
Ich würde mir wünschen,das Du Dich nochmal meldest und kurz sagst wie es Deiner Oma geht.
bis dann
Liebe Grüsse
Elli
|