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Alt 02.01.2008, 13:22
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nikita1 nikita1 ist offline
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Standard AW: Erfahrungsaustausch

Liebe Linnea

mach dir nicht so viele Gedanken dazu, man muss manchmal auch gewisse Dinge akzeptieren, wie sie sind und warten, dass sie besser werden.

Mein SuperGau war bei der Simulation der Bestrahlung - ich lag allein in dem grossen Raum da, es war dunkel und kalt, unter dieser Bestrahlungskanone, das Ding wuchtete um mich rum und die Ärztin stellt alles für die späteren Bestrahlungen ein.
Und ich Weichei, habe das erste Mal realisiert, dass ich Krebs hab und .. hab angefangen zu weinen. Licht ging sofort an, eine Schwester kam gerannt und steichelte meinen Kopf - von da an, hab ich nie wieder geweint und auch keine Angst mehr gehabt.

Jeden Tag aufs Neue höre ich in meinen Körper und in meine Seele - wenn beide nicht gut drauf sind, so ist es nicht zu ändern - der nächste Tag kommt bestimmt.
Unter der Bestrahlung + Chemo konnt ich nicht mehr gerade laufen, nicht mehr normal sprechen , es war eher ein Lallen - hatte Wortfindungsprobleme, mein Kopf war leer, lesen oder einen Text schreiben, kostete mich grosse Mühe, war immer sehr schnell erschöpft.

Also bin ich (es war im Juni/Juli/August) eisern jeden Tag (mit meinem Vater, der hier war) an den Strand gefahren. In der Sonne braten, im Atlantik baden, der Wind .. (meine Ärztin war entsetzt !!!! )
Das Sofa und der Fernseher (kitschige Serien, nichts intellektuelles....) , mein Bett waren meine treuen Begleiter, die liebevolle Kocherei meines Vaters hab ich heute noch auf den Hüften....

Intellektuelle Anstrengungen hab ich vermieden, meine Tage beschränkten sich auf Schlafen, Essen und faul sein....
Man muss einsehen, dass der Körper sehr belastet wird - einmal waren wir spazieren, allerdings im Gebirge und ich hab so gekeucht und schlappgemacht, dass mein Vater meinte: du, das ist das Herz... und wahr. Auch das hab ich überstanden.

Nachdem ich die Therapie beendet habe , mich nur auf die notwendigsten Dinge beschränkt - kam mit jedem Tag die alte Leistungsfähigkeit ein bisschen mehr zurück. Gezwungen habe ich mich nur zum laufen - jeden Tag ein bisschen, um nicht völlig einzurosten.
Nun bin ich (fast) wieder die Alte.

Gib deinem Körper und der Seele Zeit , erzwinge nichts - und es wird alles GUT !!!!!!!!!!!
__________________
Liebe Grüße
Nikita


Tapferkeit ist die Fähigkeit, von der eigenen Furcht keine Notiz zu nehmen.
George Patton

Geändert von nikita1 (02.01.2008 um 13:29 Uhr)
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