AW: Riesengroße Angst um Papa
Liebe Maarie,
es ist nicht ungewöhnlich, dass du dich nicht richtig damit auseinander setzen kannst, weil die Uhr deines Papas am Ablaufen ist. Keiner kann sich das vorstellen, wenn man die Bilder vor einem hat, wie der geliebte Elternteil noch stark und fröhlich war und eigentlich noch gar nicht Zeit ist zu sterben. Ich sehe heute noch die Bilder vor mir, wie meine Mom im September bei herrlicher Spätsommersonne an ihrem geliebten Beetle steht und mit der Sonne um die Wette strahlt. Wenn mir zu diesem Zeitpunkt jemand gesagt hätte, dass meine Mom vier Monate später nicht mehr bei mir ist, ich hätte ihn ausgelacht.
Es ist unsagbar schwer, einen geliebten Menschen gehen zu lassen und wenn man dann noch die Qualen sieht, es zerreißt einem das Herz. Tauschen wollen, ja – mit diesem Gedanken habe ich auch oft gespielt und mir wurde erst in den letzten Wochen bewusst, dass ich keinen solchen eisernen Kampf angegangen wäre, wie meine Mom ihn geführt hat. Ich war immer für sie da, doch die wirkliche Angst, die hatte sie, ganz für sich alleine. Wir leben weiter und wir werden auch unseren Weg gehen, er ist hart und steinig. Auch du wirst ihn gehen müssen, und auch du wirst über die Steine klettern, manches Mal verzagen, schreien, toben und weinen, aber du wirst es schaffen. Du bist eine starke junge Frau, das lese ich aus jedem deiner Beiträge und zusammen mit deiner Familie und deinem Freund wirst du es schaffen, die letzte Zeit mit deinem Papa so zu verbringen, wie du es willst und du wirst auch nicht daran zerbrechen, wenn er dir auf dieser Welt körperlich nicht mehr beistehen kann. Er wird immer bei dir sein, wenn du Entscheidungen treffen musst, wird er dir helfen. Und du wirst auch nach seinem Tod wieder glücklich sein, es wird anders sein, aber du wirst wieder lachen und Spaß am Leben haben.
Hab keine Angst vor dem, was du vor dir hast, du schaffst das. So bescheuert es sich anhört, genieße die Zeit, die mit deinem Papa noch hast und ich wünsche Euch, Ihr könnt die EM und seinen Geburtstag zusammen erleben. Wir haben uns ein letztes gemeinsames Weihnachten gewünscht und es erlebt, es war schön. Meinen ersten Geburtstag ohne meine Mom habe ich überstanden, der nächste wird besser.
Ich drücke dich mal ganz fest und schicke dir und deiner Familie ein riesengroßes Kraftpaket.
LG
Kerstin
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Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist
Wir hatten ein kleines Wunder. Meine Mom hat dem Mistkerl fast 3,5 Jahre die Stirn geboten. Am 17.01.08 hatte meine Mom keine Kraft mehr zu kämpfen. Sie hat nun ihren Frieden und keine Schmerzen mehr. Ich bin stolz auf meine Mom.
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