Meine liebe liebe Zweitfamilie,
mein Gott, bin ich froh, dass ich Euch habe.
Ja, es geht hier wirklich mit Riesenschritten in die falsche Richtung…. Es tut so bitter weh.
Habe ich nur die Hälfte geschrieben in den letzten Wochen ? Nein, ich denke nicht.

Die letzte Behandlung am 2.6. hat ihm einfach definitiv den Rest gegeben. Seitdem geht es hier nur noch bergab. Zunächst war A. ja wegen der Schmerzen nach dem Essen-Aufhalt noch mal für 3 Tage hier bei uns in DN im Krankenhaus. Aber auch, als er dann zuhause war, kam er nicht richtig auf die Füße. Er wurde von Tag zu Tag schlapper und auf Grund dessen auch immer depressiver. Ich hab ihn noch nie so oft weinen sehen wie in den letzten Wochen. Er kann nicht mehr, er will nicht mehr….. aber er will gleichzeitig auch nicht wahrhaben, wie schlimm es wirklich um ihn steht.
Ich habe ganz ganz furchtbare Angst, dass er nicht loslassen kann und sich so selbst mehr leiden lässt, als nötig.




Als er jetzt noch mal im KH war wegen der hohen Leberwerte, wegen Urin im Blut usw, da war mir klar, es geht jetzt nicht mehr aufwärts. Wenn der Doc ihn entlässt, obwohl er Fieber hat, wenn der Doc von „Lebensqualität“ spricht und sagt, die Feiern rund um die Hochzeit ist jetzt das Wichtigste….. ja dann sagt das ja alles.
Den Polterabend hat er mit Mühe und Not durchgestanden. Gott sei Dank sind alle Menschen so wahnsinnig lieb um mich herum. Auch die zukünftigen Schwiegereltern meines Mädchens haben es nicht zugelassen, dass ich mit helfen wollte, sondern drauf geachtet, dass ich in Ruhe bei Alfred sitzen konnte.
Trotz allem habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich immer denke, ich hätte noch mehr für Stephanie tun müssen.


Jetzt allerdings traue ich mich kaum aus dem Haus. Ich gehe früh morgens, wenn der Pflegedienst wieder weg ist und Alfred wieder schläft, mit dem Hund, mache Einkäufe usw. Und wenn meine Jungs dann von der Arbeit kommen wie gestern, dann husche ich fix zum Frisör und kaufe noch ein, was für die Hochzeit benötigt wird.
Heute wird der Raum geschmückt, in dem gefeiert wird. Da sind durchaus viele helfende Hände, aber trotzdem gibt’s ein paar Gründe, warum ich auch dabei sein muss. Jedenfalls werde ich Alfred ein paar Stunden alleine lassen müssen. Die Jungs haben zudem noch ihre erste Fahrstunde.
Ach, wenn Andi wenigstens den Führerschein schon hätte, das wäre mir eine große Hilfe. Aber wie immer gibt’s mit ihm mehr Stress als Freude. Er kapiert einfach nicht, wie miserabel es hier steht.
Heute Abend habe ich vor, mit den Jungs mal ein offenes Gespräch zu führen. Ich hoffe von Herzen, dass den beiden der Urlaub nicht flöten geht, sie haben ihn beide bitter nötig.
Ich glaube ehrlich gesagt nicht mehr daran, dass wir den August noch schaffen. A. liegt jetzt fast nur noch, ich fürchte, wenn die Hochzeit vorbei ist, dann wird er gar nicht mehr aufstehen. Ich bemerke jedenfalls nicht, dass die Zusatznahrung ihm viel Kraft gibt. Morgens muss ich auch beim Waschen helfen und das bringt ihn auch immer zum Weinen. Er ist total verzweifelt und hat panische Angst vor dem Wochenende.
Gestern meinte unsere Tochter, er wird ja gelb im Gesicht, und da gab er zu, dass er seine Leber jetzt auch „spürt“.
Nein, er hat nichts mehr dagegen zu setzen… das ist total deutlich. Gleich fahren wir ins KH zum Wechseln der Portnadel und zur Kontrolle der Blutwerte.
Ob wir überhaupt den Termin zur allgemeinen Kontrolle am Donnerstag in Essen wahrnehmen können, bleibt abzuwarten.
So, ich muss mich sputen, der Hund muss noch raus, bevor Alfred wach wird.
Ja, meine liebe Zweitfamilie, bei uns geht es in Richtung Regenbogenland. Dass es so ein rapider Abfall werden würde, hätte ich im Leben nicht geahnt. Gestern habe ich auch den Rollstuhl besorgt. Jetzt kommt die Zeit, vor der ich am meisten Angst hatte. Jetzt muss ich wirklich stark sein. Ich weiß, in Gedanken stützt Ihr mich, dass tut wirklich gut. Danke für die PNs, nicht böse sein, wenn mir die Zeit fehlt, sie im Einzelnen zu beantworten. Der PC macht nämlich auch Mucken… ins Internet zu kommen, ist augenblicklich Glückssache. Ich drücke Euch alle, danke danke
Eine tieftraurige und recht erledigte Erle



