Thema: Nasenkrebs
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Alt 23.08.2008, 14:54
Nicole_H Nicole_H ist offline
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Standard AW: Nasenkrebs

Hallo Ihr Lieben,
ich habe nun meine Ärzte-Runde beendet. Es tut so gut, so viele Ärzte um sich zu haben, die sich alle Zeit nehmen und mit mir verschiedene Sichtweisen durchsprechen! Letzte Nacht habe ich erstmals wieder durch geschlafen! Es ist der für mich, denke ich, beste Weg gefunden – der Rest ist Glück.

Am Dienstag werde ich operiert. Man wird so weit wie möglich die voraussichtlichen Tumorzellen am linken Schläfenlappen entnehmen. Nach der OP wird noch über mehrere Tage das Hirnwasser auf möglicherweise weitere dort schwimmende Tumorzellen überprüft. Vor der OP wird es ein CT geben, um abzuklären, ob Leber und Lunge frei von Metastasen sind.
Es gibt zwei mögliche Wege der Streuung vom letzten Tumor:
- über das Blut: dann wären Tumore zuerst in Lunge oder Leber (deshalb das CT)
- über das Hirnwasser: bereits Anfang letzten Jahres sind Tumorzellen in das Hirnwasser gelangt (der Tumor war ja bereits bis in die Hirnhaut hinein gewachsen) und haben sich dort nun am Schläfenlappen nieder gelassen oder schwimmen wohlmöglich noch munter im Hirnwasser herum. Dort waren sie für Bestrahlung + Chemo im letzten Jahr unerreichbar. Da hilft die beste Behandlung nicht – im eigentlichen Tumorgebiet ist ja alles gesund. "Dumm gelaufen" kann man dann nur sagen. Aber selbst für die Variante Badebecken für Tumorzellen im Hirnwasser gibt es nachher noch Behandlungsvarianten mit Chemo gezielt im Hirnwasser. Bestrahlung gibt es ja auch immer noch.
Na ja, sehen wir mal, was bei der OP raus kommt. Wichtig ist es zunächst mal den Tumor genau zu identifizieren. Und vielleicht gibt es ja sogar noch die unwahrscheinliche Variante, dass es doch eine Entzündung ist (wobei alle Ärzte bei den Bildern einen Tumor für wahrscheinlich halten).

Ich bin ganz froh, dass ich mir diese eine Woche Zeit genommen habe, um noch mal alle Ärzte der verschiedenen Fachdisziplinen zu sprechen (man hätte mich ja auch durchaus diese Woche schon operiert). Gut war auch, statt der Meinung eines zweiten Neurochirurgen, die der Strahlentherapie an der Charite einzuholen. So habe ich den Blick für mich doch noch einmal sehr erweitert. Toll war auch, wie meine Neurochirurgen darauf reagiert haben und die neuen Aspekte auch noch mal mit mir durchgesprochen und auch aufgenommen haben. Ich habe das Gefühl gut beraten zu sein, der Rest ist einfach Schicksal.

Auf jeden Fall muss schnell operiert werden, da ziemlich sicher ist, dass ich inzwischen epileptische Anfälle bekomme (dazu gibt es Montag auch noch eine Untersuchung). Manchmal trete ich seit einigen Wochen plötzlich weg, so als würde ich in Ohnmacht fallen. Nur wird mir nicht übel, nicht schwarz vor Augen und ich kippe auch nicht um. Ich rede unter Umständen noch irgend etwas, um das Ganze vor anderen zu vertuschen. Ich kann mich allerdings daran nicht mehr erinnern. Letzten Mittwoch kam eine Fachkollegin, die ich aus irgendwelchen Konferenzen kannte, auf mich zu und ich hatte genau da so einen Moment. Es kann nicht lange gewesen sein, die Kollegin war dann weiter gezogen aber mir fehlte die Situation dazwischen komplett - sie hat mir die Hand gegeben - vom weiteren Gespräch weiß ich nichts - völlig verstört stand ich in der Gegend rum und ich brauchte auch mehr als 10 Minuten, bis ich wieder in der Lage war mit meiner Freundin, die dabei war, zusammenhängende Sätze reden zu können. Eine solche Situation hat sich auch gestern mit meinem Mann wiederholt (Im linken Schläfenlappen sitzt das Sprachzentrum im Gehirn).

Nur die Frage mit den Implantationen mit Fremdmaterial muss ich noch mal stellen. Das ist mir durch den OP-Bericht von Daresa aufgefallen. Wenn beim Nasenaufbau nur mit Eigenmaterial gearbeitet werden kann wegen der Bestrahlung – gilt das dann nicht auch für das Einfügen von Material in die Hirnhaut (da soll ein Stück künstliche Hirnhaut rein)? Dafür ist ja Montag noch Zeit….

@ Tanja
Auch wenn die Diagnose erst mal nieder schmetternd ist, ich finde auch es hört sich doch gar nicht so schlecht an. Wenn man auf den Bildern den Tumor nicht sieht, kann man Deinem Vater vielleicht wirklich sehr gut helfen und muss wohlmöglich nur eine einzige OP machen und der Tumor ist endgültig beseitigt. Aber eine zweite Meinung einzuholen, wie Lilli es vorschlägt, ist bestimmt ganz gut. Ich denke auch, Dein Vater sollte nicht arbeiten gehen (es sei denn, er braucht das unbedingt für seine Psyche). Wichtiger ist es, mit einem guten Gefühl in die OP zu gehen und überzeugt zu sein, dass man die bestmögliche Beratung bekommen hat. Ich würde lieber die Kraft in Recherchen und eine Zweitmeinung stecken. Aber so ist natürlich auch nicht jeder gestrickt.
Ich drücke Euch aber ganz doll die Daumen, dass alles bald gut überstanden ist.

@ Daresa
Ich bewundere auch Deinen Mut zur OP. Ich denke an Dich und drücke die Daumen.

@ Julie
Schön von Euch so gute Nachrichten zu hören. Michi hat gute Nachrichten und endlich Mal Ruhe wirklich mehr als verdient. Ich hoffe es bleibt jetzt so und wir hören von Euch jetzt nur noch gute Nachrichten!!!

@ Lilli
Vielen lieben Dank für Deine lieben Worte.


Viele liebe Grüsse von der Ostsee an alle!!!

Nicole

Geändert von Nicole_H (23.08.2008 um 15:00 Uhr)