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Alt 10.10.2008, 14:35
Tom2605 Tom2605 ist offline
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Standard AW: Ich verstehe gar nichts mehr

Gestern haben wir die neuen Untersuchungsergebnisse bekommen und sie waren alles andere als gut. Sowohl der Primärtumor in der Lunge, als auch die Metastase im Gehirn sind je um ca. 2 cm gewachsen. Laut Auskunft des Arztes gäbe er meiner Frau, wenn sie weiterhin alle Behandlungen ablehnt ca. 3 - 4 Monate maximal.
Wir konnten jetzt eine meines Erachtens vernünftige Alternative finden. Obwohl ein sehr großes Risiko besteht (ca. 30 %) dass die Lungenentzündung wieder aufflammt und evtl sogar unkontrollierbar wird, weil meine Frau auf Antibiotika nicht mehr anspricht, wird ab Montag eine leichte Chemo (halbe Dosierung) als Versuch gegeben. Dabei will man herausfinden, wie meine Frau die Chemo verträgt und auch die Lunge regelmäßig kontrollieren. Paralell dazu selbstverständlich eine Bestrahlung des Kopfes, ob Ganzkopf oder gezielt ist noch nicht ganz klar. Der Port wird ihr bereits heute um 14.00 Uhr gelegt.
Meine Frau hat dem zwar zugestimmt, doch schon kurz darauf meinte sie, dass sie an die Chemo und deren Wirksamkeit nicht glaubt. Ich befürchte, dass ihre Einstellung zu der Behandlung nicht gerade förderlich ist für die Wirksamkeit.
Als Alternative zur Chemo (sollte sie sie nicht vertragen oder abbrechen) ist jetzt auch auf meine Anfrage Tarceva im Gespräch.
Die Anzeichen schauen also alle nicht so gut auch und ich befürchte mehr oder weniger stündlich das schlimmste. Da sie am Telefon so komisch Sprüche von sich gelassen hat (hab ja zur Not meine Tabletten wenn ich es nicht mehr aushalte) wurde jetzt mit höchster Dringlichkeit der Psychologe eingeschaltet.
Ich würde es mir so wünschen, auch eine kleine "Erfolgsstory" zu schreiben, doch so richtig daran glauben kann ich kaum mehr. Dafür habe ich in den letzten Monaten zu viel Leid gesehen und auch den körperlichen Abbau meiner Frau. Es ist keine Substanz mehr da bei ihr, weder körperlich noch psychisch und die Behandlungen jetzt sieht sie als finale Möglichkeit. Daran galuben tut sie allerdings nicht.
So wünsche ich mir, dass uns wenigstens noch dieses Weihnachtsfest gemeinsam geschenkt wird. Es schmerzt, aber der Arzt hat mir gesagt, wenn die Behandlungen nicht ansprechen, würde er mir raten sie noch ein oder zwei Wochen nach Hause zu holen und dann über ein Hospiz nachzudenken, denn ihre Scherzen werden sicher noch zunehmen. Ich danke ihm für diese Ehrlichkeit und Offenheit.
Entschuldigt, aber im Moment kann ich nicht mehr weiterschreiben. Ihr hört von mir.

Liebe Grüße
Thomas
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