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Alt 08.12.2008, 14:52
Shivanarama Shivanarama ist offline
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Standard AW: Nun hat`s meinen lieben Papa auch erwischt.............Guten Tag erstmal.

............................Hallo liebe Alicia..........und natürlich auch die Anderen...................es sieht schlecht aus,- immer schlechter...........ich weiß nicht wielang mein Papa noch Durchhaltekraft hat,- wie erschreckend doch seine Veränderung ist..........und wie schnell einem dieser "Gefräßige Vogel" also sein Krebs ihm im Zeitraffertempo nun die letzten Kraftreserven abzuringen scheint ..........(so hat Papas Schwester den Krebs gestern beschrieben ,- also als "gefräßigen Vogel",- um meiner Mutter klarzumachen,- daß Paps' Zustand nicht durch Fremdverschulden zustande kommt/kam.............das denkt sie sich nämlich,- sie kann nicht begreifen wie sehr und wie schnell ein Mensch sich innerhalb von 10 Tagen so verändern kann,- schreibt seinen jetzt so elendigen Zustand mehr den Ärzten,- dem Krankenhausaufenthalt oder den vielen neuen Schmerzmitteln zu was natürlich reiner Selbstschutz ist,- so kann Sie immer noch hoffen es könne wieder "aufwärts" gehen,- wenn man die Medikamente runterschraubt,- er sich vom Krankenhaus erholt hat etc..............leider können wir unserer Mutter keinen Stahlstrohhalm bieten,- alle an denen sie sich versucht festzuklammern, sind dünn,- brüchig und aus altem Stroh gemacht....................Sie tut mir soooo leid,- wie sehr sie doch mit ihm nach 50 Jahren Ehe verbunden ist,- nach zufriedener,- glücklicher und standhafter Ehe und einem so schönen Zuhause was Sie hatten..................nun dieses schlimme schleichende aber an Tempo gewinnende nahende Ende immer vor Augen........wie gerne würde ich Sie beruhigen können,- Ihr noch ein wenig Hoffnung machen..............aber das geht einfach nicht mehr,- auch Sie muß akzeptieren,- daß Paps' seinen Weg nun zu Ende gehen muß, keiner Ihn aufhalten darf,- auch wenn wir alle das noch so gerne würden.
Müssen wir Stärke ziehen aus dem großen Glück im tiefen Unglück verankert,- ihn begleiten zu können und zu dürfen,- daß wir alle so nah zusammenstehen,- das Familiengefüge noch an Festigkeit gewinnt,- wir alle gemeinsam an diesem traurigen Strang ziehen.............nur müssen wir den Strang noch ordnen,- wo mein Bruder einfach den Kopf zumacht nicht über Papa und seine Krankheit spricht,- auch nicht nachfragt wie es genau um ihn stteht....sich in Arbeit flüchtet und doch immer sofort da ist,- wenn bestimmte Sachen im Haus meiner Eltern zu tun sind,- die früher der Papa allein tun konnte,- mein Bruder muß angesprochen werden,- dann hilft er sofort ..........aber eben nur bei praktischen Dingen,- gefühlvolle Gespräche beherrscht er nicht,- hält er nicht aus,- da ist er meinem Vater am allerähnlichsten.
Meine Mutter und meine Schwester neigen etwas zur Schönfärberei,- glauben beide es wird nochmal besser mit unserm Paps....................ich würde gern schöndenken - kann es aber nicht.................hab' ich doch zuviel gelesen hier und auch da und mich mit Ärzten und Pflegern lange und immer und immer wieder auseinandergesetzt....................mein Part bei dem ganzen war von Anfang an,- also schon kurz nach Diagnosestellung jener,- daß ich immer vorher schon ahnte was da jetzt wieder los sein könnte..............hab' also den leider sehr nüchternen Blick auf's Ganze im Kopf,- aber vermittele immer sehr schonend was ich weiß und befürchte.

Tja,- gestern mußten wir dem Papa Windelhosen zur Nacht anziehen,- damit meine Mutter nicht wieder zig Male das ganze Bett neu richten muß in der Nacht,- er tat mir so leid,- es hatte soetwas entwürdigendes....dem eigenen Vater Abends vor seiner Nachtruhe in die Windeln zu helfen..............ich hätt' heulen können,- aber er nimmt das alles hin,- als wäre es das Normalste der Welt,- bloß der Mama nicht wieder soviel zusätzlichen Stress bereiten.

Er ist müde und total erschöpft und es gehen ihm 1000 Gedanken durch den Kopf,- an denen er uns leider,- leider nicht teilhaben läßt,- da er nie offen über Gefühle und Gedanken sprach,- nichtmals mit meiner Mutter,- seiner Frau.
Aber wenn man ihn kennt und anschaut weiß man,- er ist so unendlich traurig,- so traurig ein Mensch nur sein kann,- weinen tut er stellvertretend immer wenn etwas anrührendes im Fernsehen läuft,- oder Musik im Radio...die ihn irgentwo in seinem Herzen berührt............manchmal denke ich ein Seelsorger täte ihm gut,- nachdem er sich aber bei der Psychoonkologin auf der Palliativstation auch nicht öffnen konnte,- denke ich er könnte es bei einem Pfarrer auch nicht,- aber evtl. täte es ihm gut,- zu hören Gott wird da sein für ihn...........................nur ist mein Vater nie ein Kirchgänger gewesen und hat oft auf Gott geschimpft wenn wieder irgentwo auf der Welt schlimme Katastrophen stattfanden sagte er öfters: "Und da soll es einen Gott geben,- der alle Menschen gleich liebt?------------NIEMALS!"

Aber ich würde mir so wünschen daß er endlich Frieden in sich haben kann,- Frieden mit der Diagnose,- Frieden mit der Tatsache daß er bald wird gehen müssen,- Frieden mit sich selbst und dem Rest des Ganzen.

Allerdings kenne ich persönlich auch keinen Pfarrer, -wir alle sind evangelisch,- aber ich geh' auch net in die Kirche..............halte inzwischen doch mehr vom Buddhismus,- das wäre der Glaube den ich aus wirklicher Überzeugung mehr verehre,- als den hiesigen Christlichen Glauben.

Ja,- nun muß ich mich gleich wieder fertigmachen,- und schnell zu den Eltern fahren,- der Notfallplan ist noch nicht gemacht,-ich bekomme einfach kein O.K. von meiner Mutter auf meinen wiederholten Vorschlag für die nächste Zeit mitsamt dem Kätzchen zu Ihnen zu kommen..............ich habe auch wahnsinnige Angst,- daß es bald soweit sein könnte und außer meiner Mutter ist keiner bei ihm........................ich wär so gerne da und mit und bei ihm wenn er für immer seine Augen schließt.

Die wohl traurigsten Grüße die man sich nur vorstellen kann zu Euch allen,- aber auch zufriedene Grüße,- denn er ist nicht allein und wir dürfen da sein für ihn- allein das ist ein immens großes Geschenk für uns alle.............und unseren Papa.

A tschö für heute und Euch nur das BESTE!!!

Marion nebst Familie.
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