Hallo ihr lieben

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ich weiss, ich habe mich ewig nicht mehr gemeldet... Aber ihr wisst ja, wie stressig solche Zeiten sein können und meistens war ich einfach zu müde und zu geschafft, wenn ich vom KH heim kam.
Der Zustand von Mama hat sich enorm verschlechtert. Sie schläft nach jedem Satz ein und ist nicht mehr klar. Sie redet wirres Zeug und erkennt ihre Besucher teilweise nicht. Meine Schwester erkennt sie teilweise nicht und ihre beste Freundin auch nicht. Sie versucht immer aufzustehen, weswegen wir ihr Gitter ans Bett gemacht haben, weil sie sonst ja vielleicht fällt. Vorletzte Nacht hat sie ca. 8 Mal bei ihrer Freundin angerufen und ihr gesagt, sie könne sie nun abholen, weil ich nach Hause will und darf. Sie ließ sich von diesem Gedanken weder von der Nachtschwester, noch von ihrer Freundin, die dann sogar mitten in der Nacht in die Klinik gefahren ist, abbringen. Sie rief auch bei Papa an und sagte, sie komme jetzt heim. Und sie erzählte, Frau Ypsilanti habe bei ihr 3 Mal angerufen und sie werde langsam sauer, wenn sie weiter anruft... Anfassen darf man sie auch nicht mehr. Wenn man ihre Hand oder den Rücken streichelt, wird sie sauer. Das ist alles so furchtbar. Sie phantasiert nur noch vor sich hin und weiss nicht, was sie sagt. Sie sagt zu Papa immer, sie müssen jetzt zusammen einkaufen gehen, weil sie kein Katzenfutter mehr haben. Wenn ich gehe, schreit sie mir hinterher, dass ich doch noch aufräumen muss, bevor ich gehe. Die Ärztin sagt, dass dies ein Zusammenspiel der Hirnmetastase und der Medikamente ist, da die von der Leber nicht mehr richtig abgebaut werden. Selbst wenn sie sagt, sie hat Schmerzen, wissen wir nicht, ob sie die wirklich hat oder phantasiert... Wir sagen dann immer, dass sie schon was gegen die Schmerzen bekommen hat, wenn sie fragt. Und wenn sie dann nichts mehr sagt, wissen wir, sie hat phantasiert. Ansonsten bekommt sie noch zusätzlich was. Ich wünsche ihr, dass sie ihr jetziges unwürdiges Dasein nicht mehr mitbekommt und bald einschlafen darf. Das ist nun noch unwürdiger, als es vorher war.
Zu allem Übel kommt noch, dass ich jetzt selbst mit eine Grippe daheim bin und gestern gar nicht dort war. Ich will sie nicht anstecken, weil sie das nicht überleben wird. Wenn man realistisch ist, könnte man sagen, sie stirbt so oder so. Aber ich will nicht der Auslöser sein. Heute möchte ich sie besuchen. Ich lasse mir von der Schwester einen Mundschutz geben, werde die Hände desinfizieren und nicht nah zu ihr rangehen. Vorher frage ich die Schwester, ob ich das so machen kann. Wenn das zu gefährlich ist, muss ich leider wieder gehen.
Auch, wenn die Weihnachtszeit an mir spurlos vorbeigeht, wünsche ich euch eine schöne Vorweihnachtszeit mit euren Lieben. Ich danke euch für all eure Worte.
Viele liebe Grüße
Susanne