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Alt 31.10.2003, 14:43
Gast
 
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Standard junge Frauen und der Tod der Mutter

Liebe Bettina,
nachträglich noch herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! So schrecklich dieser Tag für Dich ohne Deine Mama war: Du hast es überstanden! Dieser Tag, der erste eigene Geburtstag ohne Mama, der kommt nicht wieder für Dich! Alle diese Tage sind schrecklich: Weihnachten, Ostern, Geburtstage (eigene, die der Mutter), aber ich glaube, die schlimmsten sind die, die man zum ersten Mal ohne Mama erlebt. Ich habs fast geschafft, das erste Jahr ist am 19.12. rum, dann kommt schon das zweite Weihnachtsfest, das dieses Jahr hoffentlich nicht ganz so schrecklich wird wie das vergangene. Ich sage immer: Es kann nur besser werden. Das hoffe ich wirklich, denn wenn es nicht so wird, werde ich noch verrückt. Neulich fiel mir ein Spruch von Goethe in die Hände: Wir hoffen immer, denn in allen Dingen ist hoffen besser als verzweifeln! Daran versuche ich mich zu klammern und was die Leute sagen, dass die Zeit alle Wunden heilt, dazu hatte ich kürzlich mal was geschrieben. Es hat keinen Zweck, die vergangenen Zeiten herbeizuwünschen, das wird nie mehr so sein. Ich fange langsam an, es so zu verstehen. Ich versuche, vorwärts zu schauen und die Erinnerungen, wie die Zeit mit meiner Mama war, bewahre ich als kostbaren Schatz, den kann mir keiner wegnehmen. Sie kommen oft hoch, aber so schmerzhaft sie auch sind, ich bin dankbar dafür, dass ich sie habe.

Liebe Tina,
der Geburtstag meiner Mutter, der erste ohne sie, fiel dieses Jahr genau auf Ostersonntag. Ich habe die Familie eingeladen und wir haben im Garten einen Osterbrunch veranstaltet. Wir hatten viel Spaß, das Wetter war toll und ich bin sicher, Mama war auch da. Ich habe es zumindest so gefühlt. Es war, als hätten wir ihren Geburtstag gefeiert und sie sei nur mal kurz in der Küche oder so gewesen. Ein schöner Tag, an dem wir alle viel an sie gedacht haben, aber den ich mir schrecklicher vorgestellt habe, als er war. Mein Vater war, glaube ich, sehr dankbar dafür, dass ich mich für eine Feier entschieden und auch alles organisiert hatte. So hätte es meiner Mutter gewollt: Dass wir fröhlich sind und nicht wie ein Häufchen Elend zuhause hocken. Aber im Frühling/Sommer ist alles einfacher. Wir hatten die schrecklich düstere kalte Zeit schon hinter uns. Frühling bedeutet immer Aufbruch, gute Stimmung, man blickt automatisch vorwärts und alles fällt leichter. Um so schwerer fällt es mir nun, ihrem ersten Todestag entgegenzuschauen. Das Wetter heute hebt auch nicht gerade meine Stimmung und mir graut es schon gewaltig vor der nasskalten Jahreszeit. Aber auch das werde ich schaffen.

Liebe Sandrah,
dass es Dir nicht so gut geht im Moment, tut mir sehr leid. Ich habe gerade viel Kraft, befinde mich in einem Hoch, wer weiß, wie lange noch. Deshalb möchte ich versuchen, Dir und natürlich auch Euch allen, etwas von meinem Mut abzugeben. Es bringt nichts, sich zurückzuziehen. Sandra, das hätte Deine Mama nicht gewollt. Du musst unter Leute, mach was! Raff Dich auf, zwing Dich, ob Du Lust hast oder nicht. Nur so gehts weiter. Sonst kommst Du nicht raus aus dem Tief. Ich wünschte, wir würden alle etwas näher zusammenwohnen. Dann könnten wir uns gegenseitig besser helfen. Ich bin leider nicht sehr gut, wenn es darum geht, Gefühle in Worte zu fassen. Andere können das sicher besser als ich.

Ich drück Dich ganz fest und hoffe, dass Dir das Yoga weiterhilft. Du schaffst das schon! Wir schaffen es alle irgendwie!

Hinterm Horizont gehts weiter
Ein neuer Tag!
Hinterm Horizont immer weiter
zusammen sind wir stark!
(Udo Lindenberg)

Liebe Grüße
Kiki
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