Hallo,
Zitat:
Zitat von Poohbär
Ich habe auch schon die Tage überlegt, was noch gesagt werden muss... NICHTS.
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Meine Frau ist am 3.01.09 an Brustkrebs verstorben, und wir wussten schon längere Zeit vorher, dass das unausweichlich ist. Nur halt nicht, wann es passieren wird.
Uns ging es so wie dir jetzt. Was noch zu sagen bleibt? Nichts Wichtiges. Ausser, dass wir uns lieben und dankbar dafür sind, dass wir über 20 Jahre miteinander verbringen durften. Und dass wir zum Glück stark genug sind, auch diese letzte schwere Zeit miteinander auszuhalten und in Frieden Abschied zu nehmen. Das ist ein großes Privileg! Viele Menschen können das nicht. Und müssen sich "danach" ewig mit Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen herumplagen :-(
Nicht ungesagt / ungeklärt lassen zu müssen, bevor der geliebte Mensch geht - das empfinde ich als große Gnade. Und bin dem Krebs schon fast "dankbar" dafür, dass er uns eine recht lange "Vorwarnzeit" gegeben hat. Früher war ich überzeugt, dass die beste Art zu sterben die ist, plötzlich "weg" zu sein. Am besten abends einschlafen und morgens nicht mehr aufwachen.
Mittlerweile glaube ich, dass das ganz fürchterlich wäre. Vielleicht nicht so sehr für den, der gehen muss. Aber ganz bestimmt für die, die weiterleben müssen. Die Vorstellung, dass das restliche Leben ohne den Verstorbenen bis auf weiteres von Schuldgefühlen des "Ach hätte ich doch nur noch..." bestimmt wäre... hätte ich ihm doch noch einmal gesagt, dass ich ihn liebe. Hätten wir doch am letzten Abend nicht noch gestritten. Hätte er mir noch mitteilen können, wie er seine Bestattung wünscht, und was mit seinem Nachlass passieren soll. Hätte ich ihm morgens noch einen Kaffee gekocht, dann wäre er 5 Minuten länger im Haus geblieben und wäre dem LKW nicht begegnet, der ihn überfahren hat. Hätte, hätte, hätte... nicht alles anders laufen können, wenn ich nur damals das Richtige getan oder gesagt hätte.
Dann würde er noch leben, und dann würde ich alles anders und viel besser machen. Sich damit als Hinterbliebener zu quälen, obwohl man genau weiss, dass man die Uhr nicht zurück stellen kann und all diese Seelenpein im nachhinein "eigentlich" sinnlos ist... so weiterleben zu müssen, daran möchte ich nichtmal denken. Gott sei Dank ist es meiner Frau und mir vergönnt gewesen, die wichtigen Dinge zum Abschluß zu bringen. Und so ist es bei dir und deinem Vater auch.
Zitat:
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Wobei es das alles auch nicht einfacher macht.
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Nein, im Moment nicht. Da ist es extrem schwer, jemandem beim Sterben zuzusehen. Aber langfristig, für die nächsten xx Jahre deines Lebens, wird es dir die Dinge sehr erleichtern. Davon bin ich überzeugt.
Viele Grüße,
Stefan