AW: Der Krebs war stärker
Hallo, bin seit gestern Abend wieder da, musste unfreiwillig verlängern, es ist so viel passiert!
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll?! Am Besten bei Papa.
Er freute sich wahnsinnig, dass ich kam, er wusste es ja nicht, da Mama nicht wollte, dass er sich verpflichtet fühlt, auf mich zu warten.
Er honorierte meinen Besuch mit bester Laune. Ne wirklich, meine Mama war ganz baff, wie gut er drauf war, denn die Tage vorher war er ja noch so verwirrt...
Wir hatte ganz tolle Stunden miteinander, tratschten viel, lachten viel, saßen einfach zusammen und tranken sogar ein Schlückchen Wein miteinander.
Ich hatte auch meine jüngste Tochter dabei (2 1/2 Jahre), die wirbelte die Stimmung auch auf und wollte immer zu Opa ins Bett, weil er so eine lustige Wechseldruckmatratze drin hat...
Am Sonntag kam dann ein Anruf von meiner Tante in Amerika, dass ihr Mann verstorben ist.
Aber eh in einem gesegneten Alter, aber dennoch musste das mein Vater auch noch erleben.
Gestern früh, als wir zu Papa gingen, öffnete seine Frau, also meine Stiefmutter die Tür und sah aus, wie der wandelnde Typhus.
Sie war völlig durcheinander, stolperte immer beim Gehen und war einfach vollkommen schusselig und sah grausam aus.
Als mich dann meine Mama zum Zug brachte, ließ mich der Gedanke an meine Stiefmutter nicht mehr los und ich bat sie, nochmal auf dem Rückweg vorbeizufahren. Das tat sie auch und rief gleich den Notarzt.
Nun liegt sie mit einer schweren Hirnblutung auf der Intensivstation!
Ich hätte das meinem Vater gern erspart, denn er hat ja alles aus erster Reihe miterlebt.
Ich werde nun übernächste Woche nochmal hinfahren, denn auch für meine Mama ist diese Situation nicht einfach.
Nun hat sie nicht nur meinen Vater zu versorgen, sondern auch noch seine Frau.
Ich weiß, dass meine Mama sehr stark ist, aber das geht ja schon auf keine Kuhhaut mehr!
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