Ich bin noch ziemlich angeschlagen durch die Erkältung, habe zur Zeit Urlaub, will jetzt versuchen zu schlafen und vielleicht kann ich ja mal durchschlafen wenn ich mir den Balast von der Seele schreibe.
Vorhin kam Mama vorbei, hat für mich eingekauft, weil ich doch so erkaeltet bin...sie kümmert sich so lieb um mich. Der Gedanke sie zu verlieren zerreisst mich. Sie sieht so verletzlich aus. Sie wuerde alles für mich tun, dass weiss ich. Ich hab die beste Mama der Welt und weiß es oft nicht zu schätzen.
Sie hat mir nochmal ihre Blutwerte gezeigt, sie war ganz tapfer, ich hab die Tränen runtergeschluckt. Cholesterin ist um das dreifache erhöht (dabei ist sie so schlank, macht Sport und ernährt sich gesund...) ist es vielleicht das Arimidex oder doch etwas schlimmeres? Die Leukos sind im Keller, CA-Marker leicht angestiegen...
und sie ist so tapfer. Ich bewundere sie so sehr. ich wuenschte ich waere ein bisschen wie sie.
ich kann gar nicht zum ausdruck bringen was ich fühle. in mir herrscht chaos. ich weiss nicht, woran ich glauben soll. woran ich mich halten soll.
Ich habe nur eine banale Erkältung, Mama kommt vorbei, kocht mir Tee, macht mir einen Obstteller,setzt sich an mein Bett DABEI sollte ich doch diejenige sein, die all das für sie tut. Wie kann ich ihr etwas gutes tun? Sie hat es mehr als verdient. Das schlimmste fuer mich, ist zu wissen, wie sie leidet, welche Angst sie hat und welchen Schmerz sie in sich trägt.
Und was sie alles aufgeben muss. Sie ist auch gelernte Krankenschwester (hat danach noch Sozialpädagogik studiert) und sie hat ihren Beruf (Krankenschwester) so sehr geliebt. Nachdem sie an BK erkrankt war musste sie ihre Stelle als Sozialpädagogin aufgeben. Ihr Traum war es immer, nochmal im Krankenhaus zu arbeiten. Ich habe ihr 2008 dann eine Stelle als Aushilfe auf meiner Station besorgt (bedarf an Aushilfen haben wir immer). Sie hat sich sooo sehr gefreut. Und sie hat alles so gut gemacht. Alle waren begeistert von ihr und die Patienten wollten nur noch sie. Das ist einfach Mamas Art. Und wir hatten auch mal zusammen Dienst. Das war so schön. Ich konnte mir das Mama nie verkneifen und die Patienten dachten ich sei völlig durchgedreht. Es hat uns noch mehr zusammen geschweisst. Aber..die körperliche Anstrengung war zuviel für Mama. In ihrem letzten Dienst musste sie 13 (!) bettlägerige Patienten waschen (mit Hilfe einer Praktikantin) sie hat ganz tapfer durchgehalten. Zuhause ist sie zusammen gebrochen. Ihr re. Arm (BK re.) wurde wieder ödematös..(wie immer wenn sie ihn überansprucht)
ICH haette es wissen müssen. Hätte wissen müssen das sie das körperlich nicht schafft, aber sie wollte so gerne. Anfangs ging auch alles gut, da waren die Patienten auch nicht so enorm pflegebedürftig. Es war einfach zu viel. Und ICH habe das zugelassen, ja ICH habe ihr sogar diese Aushilfsstelle vermittelt. Und von dieser Schuld werde ich mich nicht und kein anderer mich jemals freisprechen können.
Genauso wenig - und ich glaube - ich habe es schonmal erzaehlt - das ich irgendwie, irgendwo auch der Auslöser war für ihre erste Erkrankung ( Guillain-Barré Syndrom ) der dann der Krebs folgte..
Ich fühle mich so schäbig. Dabei wollte ich ihr nur ihren Traum erfüllen. Den sie jetzt, wieder einmal, aufgeben muss.
Ach tapfere Mama..ich würde dir so gerne die Lasten abnehmen...
Ich wandere jetzt in mein Bett, meine Hundeoma wartet schon, schnarcht schon fleissig vor sich hin.

Wenigstens bin ich nicht alleine.
Das Tier ist mir der liebste Freund, der treuste und ehrlichste...trotzdem wuerde ich so gerne mal in den Arm genommen werden, wuerde gerne hören, auch wenn es glatt gelogen wäre, dass alles wieder gut wird.
Schlaft gut,
eure Ylva