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Alt 05.07.2009, 15:49
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Mary-Lou Mary-Lou ist offline
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Standard AW: Ich habe Krebs! und mein Kind?

Heute, drei Jahre nach Diagnose und mit genügendem Abstand, glaube ich auch, dass dieses "Rumgezicke" der Kinder so eine Art Selbstschutz ist und eben das, was sie eigentlich immer als Heranwachsende tun - ein Austesten der Grenzen.

Meine Beiden sind zwischenzeitlich 20 und 17 Jahre alt und ich bin mir eigentlich sicher, dass ich sie mit den nötigen sozialen Kompetenzen erzogen habe. Das funktioniert allerdings nicht immer bzw. so wie ich es mir wünschen würde, aber wahrscheinlich liegt es ganz einfach dann auch an einer falsche Erwartungshaltung unsererseits. Mir hat es auch oft weh getan, wenn meine Zwei in der Chemo-Zeit mein Befinden mehr oder weniger ignoriert haben. Allerdings muss ich rückblickend sagen, dass sie wahrscheinlich eben doch versucht haben, meine Krankheit zu verdrängen so im Sinne, wenn man nicht darüber redet ist es auch nicht da

Heute stelle ich nun fest, dass vor allem meine Tochter, die im Gegensatz zum Sohn noch zuhause wohnt, doch schon sehr besorgt ist, wenn mal gerade wie momentan die Nachsorgeuntersuchungen Unregelmäßigkeiten aufweisen und sie mich dann zeitweise sogar richtig betütelt.

Jafe, sicherlich hast Du auch mit den Lehrern ein Gespräch gesucht und sie auf Deine Behandlung hingewiesen. Ich hatte damals mit der Rektorin ein langes Gespräch, nachdem ich nicht zu jedem Lehrer einzeln gehen wollte und sie gebeten, mich bei eventuellen Problemen sofort zu kontaktieren. Allerdings muss ich zugeben, dass ich seither nie mehr zu einem Elternabend gegangen bin, sondern meinen Mann vorgeschickt habe. Was bei uns eben auch einfacher war, da meine Kinder logischerweise altersmäßig selbständiger sind als Dein 9jähriger. Für sie war es dann zu der Zeit ein wichtiger Schritt in die Eigenverantwortung, wobei sie eben auch wissen, dass sie bei Problemen immer auf mich zählen konnten und können. Den ersten Kontakt mit den Eltern der Klassenkameraden (zumindest auf Schulebene) hatte ich dann erst wieder letztes Jahr bei der Abifeier meines Großes, mit Absicht noch schicker gestylt als sonst und eben wieder mit kompletter Frisur (wahrscheinlich so eine Art Selbstschutz meinerseits).

Ich habe damals in der Chemozeit trotzalledem versucht sehr viel Zeit mit meinen Kindern zu verbringen und auch immer das Gespräch gesucht. Und ich glaube auch, dass das eben halt auch wichtig ist, dass man auch die Ängste und Sorgen der Familie wichtig nimmt.

Anja, ich wünsche Dir viel Spass bei dem Konzert heute, vielleicht wollte Dein Sohn ja gefragt werden, ob er mitgehen möchte.

Übrigens gab und gibt es bei mir zwischenzeitlich klare Ansagen im Sinne von "Du staubsaugst heute" oder "Du räumst jetzt den Tisch ab" und so hat zwischenzeitlich meine Tochter u.a. die eigenverantwortlichen Aufgaben übernommen, ihr Bad selber zu putzen und auch ihr Zimmer selber in Ordnung zu halten.

Zitat:
DAS hat was mit ERZIEHUNG zu tun!
Liebe Emma, ich fürchte, da musst Du dann schon auch die Eltern der Kiddies "um"erziehen, denn was Hans nicht lernt . . .

Grüße
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„Die hellen Tage behalte ich, die dunklen gebe ich dem Schicksal zurück“
Zsuzsa Bánk

Geändert von Mary-Lou (05.07.2009 um 15:51 Uhr)
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