AW: HCC - 3 Buchstaben
Liebe Hirschwiese,
ein kleiner Auszug aus unserer Geschichte:
Mein Dad bekam die Diagnose Leberkrebs vor 2 Jahren und es ging im März auch von den Werten her so gut, dass ein MRT nur noch im Abstand von einem halben Jahr gemacht werden sollte. Ende Juni ging es ihm sehr schlecht und wir schoben ein MRT ein!
Diagnose: Der Krebs hat sich Krakenförmig in der Leber verteilt, so dass gutes und böses Gewebe nicht mehr voneinander abzugrenzen waren.
Behandlung: Keine Behandlung mehr möglich nur in Form einer palleativen Chemo zur Eindemmung des Wachstums um sein Leben um ein paar Monate zu verlängern. Er bekam Nexavar.
Mein Dad war sein Leben lang ein stattlicher intelligenter starker Mann. Seine größte Angst war es, nicht mehr bei vollem Verstand zu sein und irgend etwas zu vergessen was die Vorsorge für seine Familie angeht. Als wir Anfang Juli die Nexavar Therapie begannen, ging es ihm relativ gut damit. Nach kurzer Zeit traten Nebenwirkungen auf und der Verlauf der Krankheit ging rapide dem Ende zu. Ich habe in dieser Zeit meinen Papa zu allen Untersuchungen begleitet und viele Fragen gestellt. Auch Fragen die mir selber fast das Herz zerissen.. um das "wie" und "wann".
Der Verlauf von Leberkrebs ist sehr unterschiedlich aber häufig geht es sehr schnell. Bei meinem Vater hatten die Ärzte von 4-6 Monaten gesprochen, effektiv hatten wir genau 1 Monat bis er in den armen von meiner Mama eingeschlafen ist.
Er hatte die ganze Zeit über viel Wasser in den Beinen und im Bauch. In der letzten Woche wurde das Bauchwasser punktiert und danach ging alles sehr schnell. Die Punktion war sehr schmerzhaft, er bekam eine halbe Morphium um in der Nacht endlich mal wieder zu schlafen. Am nächsten Tag fühlte er sich O-ton Papa: Ich habe Karusell im Kopf... Er war gut drauf und wir haben viel gelacht weil er so duselig war. Wir dachten zunächst es käme von der Morphiumtablette aber das war leider schon die Vergiftung des Körpers und auch des Gehirn. Den Tag schlief er sehr viel, war nicht anwesend, hatte einen glasigen Blick und kaum Momente in denen er wirklich ansprechbar war. Am folge Tag war er schon gar nicht mehr richtig bei uns und ist am Mittag dann auch verstorben.
Was ich damit ausdrücken will...
Es kann unter umständen unheimlich schnell gehen und auch die Ärtze können dir nicht wirklich sagen wie lange er noch bei euch sein wird. Achtet auf die typischen Anzeichen der vergiftung des Körpers und seid auf alles vorbereitet.
Wir haben meinen Vater immer zuhause gehabt und unser Hausarzt hat auch zuhause das Bauchwasser punktiert. Mein Vater hatte den Wunsch zuhause zu bleiben und keine lebensverlängernden Maßnahmen anzuwenden. Diesen Wunsch haben wir ihm erfüllen können! Er ist in den armen meiner Mutter ohne Schmerzen von uns gegangen und dafür bin ich sehr dankbar.
Auch wenn er mir furchtbar fehlt und ich jetzt nach 3 Monaten immernoch jeden Tag los schreien und weinen könnte, ist es schön zu wissen, dass er genau so gehen konnte wie er es sich gewünscht hat.
Auch bei Euch wird das unausweichliche geschehen, versucht deinem Papa diese Zeit so schön wie möglich und nach seinen Wünschen zu gestalten.
Ich wünsche dir, deiner Mama und allen Angehörigen viel Kraft die Zeit und die Zeit danach zu verstehen und zu überstehen.
Liebe Grüße
Chrissy
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Es sind die Starken, die unter Tränen lachen, eigene Sorgen verbergen und andere glücklich machen.
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Mein Mentor, mein Freund, mein Vorbild, mein geliebter Papa am 31.7.2009 in den Armen seiner Familie eingeschlafen.
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