AW: Reha in Scheidegg im Allgäu
An glückskind:
>>ich war bereits zweimal in Scheidegg und war total begeistert.
Jetzt habe ich von einer Bekannten gehört, dass alles, außer das Essen, stark nachgelassen hat.
Die Gruppen wären überfüllt. Vieles fällt aus, oder wird nicht mehr angeboten. Die Therapeuten kommen zu spät usw.
Kann das wirklich sein?
Wer war in jüngster vergangenheit dort und kann mir berichten.
Ich würde gerne nächstes Jahr wieder hin.<<
Ich war vom 5. November bis 26. November in Scheidegg und war sehr angetan. Ich möchte etwas ausführlicher schreiben, weil viele Meinungen hier „gut“ oder „schlecht“ schreiben, aber ohne Details konnte ich nicht sicher sein, ob ich dahin sollte. Oder jemand schreibt, „es gibt immer Meckerer“, und da ich selber zu den eher kritischen gehöre, wusste ich nicht, was ich denke sollte.
1. Hat es sich verschlechtert? Zuerst zu den konkreten Fragen: ich kannte Scheidegg nicht, als es kleiner war, aber vielleicht war es damals noch besser, das kann ich nicht wissen. In meiner Zeit fiel nur einmal etwas aus: Meditation. Die leichte Gymnastikklassen, oder Arm-Schulter-Gruppe, Beckenbodentraining, Polyneuropathiegruppe usw., die ich in der Turnhalle besuchte, dauerten 25 Minuten. Mehrere Male kam die Therapeutin ein paar Minuten zu spät, da sie offensichtlich von einem Termin zum nächsten rennen mussten. Für mich war das OK, wir bekamen die volle Zeit und immer mit Begeisterung geleitet. Ich hatte den Eindruck, das muss ein stressiger Job sein, aber die Leute waren exzellent und begeistert. Es kann aber sein, dass es früher angenehmer für sie war.
Was nicht mehr angeboten wird, weiß ich nicht.
Das ganze psychologische Programm ist freiwillig – allerdings war ich nicht in Einzeltherapie und kenne mich da nicht aus. Freiwillig habe ich drei oder vier Gesprächsgruppen besucht, zu Rauchen/Essen oder zu Autonomie. Nur eine Sitzung hat mir gefallen, bei einer anderen war Therapeutenwechsel und es war schwammig. Hier saßen immer etwa 30 Leute. Das fand ich zu viel für den Zweck und in der letzten Woche wählte ich diese Gruppen nicht mehr. (30 Leute in der Turnhalle war OK).
Kann jemand bitte erzählen, genau wie es früher besser war?
2. Das Essen. Es wurde hier ein paar Mal kritisiert. Ich fand es gut. Angeblich muss die Klinik mit 4 Euro pro Person pro Tag auskommen, übrigens.
Frühstück: entweder deutsches Frühstück: Brot- und Brötchenauswahl, Butter oder Margarine, verschiedene Käse- und Wurstsorten, Schinken usw. (alles mit Fettgehalt markiert), habe ich nicht gegessen. Oder Müsli (nicht eingeweicht, aber warme Milch stand daneben) plus Kleinblatt-Haferflocken, Leinsamen, Sonnenblumensamen, gequollene Weizenkörner, gemahlenes Sesam, Haferkleie, Joghurt, Quark, eingeweichtes Trockenobst und Obstsalat (teilweise aus der Dose) oder Waldfrucht (wahrscheinlich aufgetaut). – Manche habe beide Frühstücksarten gegessen. Es gab auch Orangensaft. Ein gekochtes Ei am Sonntag, glaube ich. Kaffee, natürlich.
Mittag: Vollkost, leichte Vollkost oder vegetarisch, ich wählte am Vorabend aus der Speisekarte. Es gab relativ wenig warmes Gemüse, aber ich habe zusätzlich Salat genommen.
Manchmal gab es eine Suppe, aber immer einen Salatbuffet. Der bestand aus acht oder zehn verschiedenen Zutaten, z.B. Blattsalat, rote Bete, grüne Bohnen (aus Dose oder tiefgefroren), Keimlinge, Kartoffelsalat, Salat mit Reis, rote oder geraspelte weiße Rettiche, Kidneybohnen mit Thunfisch, Tomaten, Gurken, Karotten (manchmal tiefgefroren). Teilweise trocken, teilweise schon mit ein bisschen Dressing. Man konnte dazu normalerweise Joghurtdressing oder Essig-und-Öl-Dressing nehmen, an manchen Tagen auch Olivenöl oder Walnussöl. Nicht alle Zutaten waren interessant, aber Hauptsache, man konnte sich einige zusammenstellen und anrichten.
Der Nachtisch konnte ein Stück Obst sein, oder Quarkcreme.
Abends: Verschiedene Brotsorten, Salatbuffet wie zum Mittagessen, Wurst und Käse wie zum Frühstück, auch Buttermilch und Früchtetee. Oft ein kleines warmes Zusatzgericht: Pflaumenknödel, Rösti, Erbsensuppe mit Wurst, Tortellini, Rösti mit Frischkäsefüllung, Flammekuchen usw.
Leute, die eine Sonderdiät brauchen, bekamen anderes Essen am Tisch serviert – manchmal ersetzte es nur Teile des normalen Essens.
Die Kritik am Essen, die ich hörte, war a) nicht genug Gemüse, da wenig warmes und da Salat meist nitratverseucht ist – das halte ich für etwas ausgefallen, da der Salat nicht nur aus dem Gewächshaus kam, aber man kann das Küchenpersonal um mehr warmes Gemüse bitten, und b) das Abendessen lag einer Frau im Magen, da alles kalt war. Unser Tisch (sechs Leute) war aber begeistert.
Am Martinstag hatte jede von uns eine große Martinsgans aus Quark-Öl-Teil mit schokoladenüberzogene Füße am Frühstückstisch.
3. Es gab Kritik an den Zimmern im alten Teil. Ich hatte so eins, mit (nicht sehr bequemen) Sofa. Ich war zufrieden. Ich bekam schnelle Hilfe vom Hausmeister, wenn ich eine weitere Steckdose brauchte, aber eigentlich gab es mehrere Anschlussmöglichkeiten. Ich bekam auch eine Leselampe. Nur im neuen Gebäude haben die Zimmer einen Kühlschrank, glaube ich.
4. Weitere Anmerkungen:
Auch wenn Schnee liegt, man kann erst Langlauf machen, nachdem die Loipen gelegt sind.
Ich machte Ausflüge mit nach St. Gallen, Appenzell und Zürich (das letzte für Ballet, bin aber nicht ins Ballett gegangen). Es gab auch einen Ausflug nach Meersburg.
Ich konnte nie eine Veranstaltung in der Lehrküche mitmachen, da sie immer etwa 2 Stunden dauerten und sich mit anderem überschnitten. Dazu müsste man sich im voraus vom schwarzen Brett informieren und dann, über den Arzt/die Ärztin bitten, eine Programmänderung zu haben.
Meine Ärztin war sehr nett und hilfreich. Ich habe nichts von Ärzten gehört, die keine Zeit hatten, aber natürlich könnte es welche geben.
So, das war alles etwas durcheinander, aber hoffentlich hilft es einigen.
Morag
|