Liebe Thessa,
in den letzten Tagen musste ich desöfteren mal an Dich denken.
Ich sitze häufig an den Abenden hier und bin traurig. Die Abende sind für mich am schlimmsten, weil ich dann zur Ruhe kommen kann, und die Gedanken beginnen oft zu kreisen.
Häufig sind es Dinge wie DSDS im TV, was ja zu Mamas Lieblingssendungen gehörte, in denen etwas geschieht, von dem ich genau weiß: Mensch...einen Tag später hättest Du das mit Mama am Telefon Revue passieren lassen. Was hätten wir lachen können.
Das kann der Joghurt im Rewe-Markt sein, den sie gerne gegessen hat, und den ich im Vorbeigehen sehe. Am Abend holen mich diese Gedanken dann oft ein und dann muss ich weinen. Ich finde dieses Begreifen, das erschleicht sich manchmal so heimtückisch und intensiv seinen Weg ins Bewusstsein, dass ich echt noch lernen muss, das ein wenig anzunehmen und zu beherrschen.
Das Vermissen wird nicht besser. Ich glaube das ist es, was viele Menschen häufig schreiben. Mit der Zeit wird es nicht besser, man lernt nur, dass das eigene Leben trotz allem weitergeht, und man selber einen enormen Einfluss darauf hat, wie es weitergeht. In welchen Bahnen, auch emotional, verläuft Dein Leben gerad? Bist Du häufig abgelenkt und beruflich stark eingebunden? Kommst Du viel zum Traurigsein und Nachdenken, zum Vermissen?
Ich habe Post von meiner Patentante bekommen. Seinerzeit, an der Trauerhalle, als wir uns nach doch einigen Jahren zum ersten Mal wiedersahen, war sofort die Verbundenheit spürbar, und die innige Traurigkeit. Genauso war ihr Brief. So innig und warm. Und ich doofe Nuss krieg es bis dato nicht hin, ihn ein 2. Mal zu lesen und zurückzuschreiben. Aber Montag...am Montag mach ich das

!
Schreib mal ja, piep wenigstens nur ganz kurz, damit ich weiß, wie´s Dir geht.

&
Annika