AW: Eine Kurzgeschichte
Auch mal Hallo.....
als ich die Kurzgeschichte gelesen habe, fiel mir ein Brief ein, den ich einer Freundin geschrieben habe. Sie hat immer zu mir gesagt: "Vielleicht schaffst du es nicht. Damit muss man rechnen. Aber ich weiss, du wirst es mit allen Mitteln versuchen." Ich hoffe, ich enttäusche sie nicht....
Ich steh am Briefkasten und grabsche mit letzter Kraft nach einer kurzen Runde um den Block, die Post aus dem Kasten. Kommt eine Nachbarin und sagt „ach, da sind sie ja, geht es ihnen wieder gut? Das Schlimmste haben sie ja jetzt wohl überstanden“…woher will sie das wissen? Weil ich meine Post aus dem Briefkasten holen kann? Oder weil ich noch nicht tot bin? Sie „muntert“ mich mit den Worten auf: „ sooo schlimm sehen sie ja gar nicht aus! Na ja, Brustkrebs ist ja heutzutage gar nicht mehr so schlimm. Bei den tollen Medikamenten, die es gibt. Immer positiv denken…“
Ahhh, Frau Doctor Neunmalklug…gut, zu wissen….
Ich wollte was sagen, aber irgendwie hatte ich nicht die Kraft dazu. Und was hätte ich sagen sollen….
Dass es mir beschi..….geht
Ich nicht weiss, wie ich die drei Stockwerke hoch komme
Mich erstmal an die Glatze gewöhnen muss
Und ich bemerkt habe, dass einige Zähne wackeln
Mir übel ist und ich keinen Geschmack habe
Meine Schleimhäute sich langsam verabschieden
Die Nase läuft und die Augen tränen und brennen
Meine Fingernägel eigentlich keine mehr sind
Ach ja…und so ohne Wimpern und Augenbrauen fühlt man sich auch nicht besonders
Meine Füße rot und geschwollen sind, dass ich kaum laufen kann
Dass ich nachts kaum ein Auge zu bekomme vor Herzrasen und einfach Angst habe
Dass ich Angst vor der Zukunft habe
Angst, meinen Sohn alleine lassen zu müssen
Angst, die mein Begleiter geworden ist. Mal laut, mal leise….
Dass ich weiss, dass nichts mehr sein wird, wie es vorher war
Und ja….ich denke positiv…es gibt ja so tolle Medikamente
Gibt es auch welche für die Seele?
Meine weint nämlich……
Ob die nette Nachbarin das hätte hören wollen? Ich glaube nicht…..
Ich wünsche uns Allen, dass wir einen Weg finden, mit der Diagnose zu leben.
Lieben Gruss, Hope
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