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Alt 01.03.2010, 12:53
Annika0211 Annika0211 ist offline
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Standard AW: Chemo bei ProstataCa wird nicht besser

Liebe Noferati.
Vielleicht sollte ich vor meiner Antwort erst all deine Berichte lesen, damit mir eure familiäre Situation bekannt ist, aber dann könnte ich nicht so fluggs schreiben. Sorry.
Aber ich möchte gerne so schnell als möglich antworten, weil du Hilfe brauchst!
Und dabei lehne ich mich jetzt mal etwas aus dem Fenster mit meiner Ansicht.

Du machst das wirklich ganz toll, wie du dich kümmerst und engagierst. Du hängst da emotional drin und das kann sicher jeder von uns nachvollziehen.
Und das nicht mal bei deinen eigenen Eltern, sondern bei deinen SchwieEltern. Das findet man nicht oft in einer Familie.

Wenn ich deinen Bericht lese, denke ich: warum musst DU da alleine durch???
So traurig und ernst, aufreibend und zermürbend der Zustand deines SchwieVa’s ist – ich finde, du bist zu gutmütig gegenüber deiner Familie.
Grade in Anbetracht der Tatsache, dass du einen kleinen Sohn hast, der all deine Aufmerksamkeit braucht!

In puncto Unterstützung denke ich jetzt nicht an deine SchwieMutter – aber warum kann sich dein Mann nicht mehr engagieren??
Hat dein Mann keine Geschwister, mit denen IHR euch diese Aufgabe teilen könntet??
Die Ausrede „mein Mann hat keine Zeit“ lasse ich nur bedingt für mich gelten, denn jeder von uns hat seinen Job, seine Aufgaben und Verpflichtungen, die uns anstrengen und unsere Kräfte fordern.
Es ist sein Vater und wer weiß, wie lange er ihn noch hat.
Dein Mann nimmt sich doch sicher auch Zeit, um für seine eigene Familie da zu sein – für Dich und euren Sohn.
Ich sehe das strenger als viele andere - immerhin haben meine Eltern für uns Kinder alles getan, waren für uns da, haben sich gesorgt und gekümmert.
Und als mein Papa krank war, konnte ich ihm ein bischen davon zurückgeben.
Vielleicht haben andere Verständnis für deinen Mann und evtl. Schwäger und -innen – aber die habe ich grade nicht, weil ich aus deinem Bericht herauslese, dass du überfordert bist und mir den Eindruck machst, dass du dich nicht gut durchsetzen kannst.
Dass dein Kind diese Unruhe, diese innerliche Wut von dir spürt, kann ich mir vorstellen. Dementsprechend reagiert der Kleine vielleicht auch so. Ich bin kein Therapeut oder Arzt, aber Angespanntheit und Gereiztheit überträgt sich doch auf so ein kleines Kind. Von wem sollte er „lernen“, wenn nicht von seiner Mama/seinem Papa?

Ich denke, dein SchwieVa möchte die weitere Chemo, weil sie für ihn sicher ein Strohhalm ist. Vielleicht überschätzt er sich, mutet sich zu viel zu und denkt, er schafft das alles, obwohl er so schwach ist. Das ihm eine Pause gut tun würde, sieht er nicht ein. Aber wenn er sich nicht auf Ratschläge von dir/euch bzw. seinem Arzt – den würde ich antriggern, damit er ihm eine Pause „verordnet“ – einlässt, dann kannst du da sicher wenig ausrichten.

Es ist schonmal ein riesiger Fortschritt, dass die Pflege jetzt täglich gewährleistet ist.
Du bräuchtest noch jemanden, der dir ein paar Stunden täglich bei deinem SchwieVa abnimmt, damit du auch mal deinen Belangen nachgehen und dich um dein Baby kümmern kannst. DU bist und darfst diejenige sein, die in deiner geleisteten Pflege ein STOPP einbringen kann. DU darfst ohne schlechtes Gewissen auch mal „bestimmen“ und musst nicht alles schlucken.
Binde den Arzt und den Pflegedienst in die Problematik mit der Verweigerung der Medis mit ein.
Gibt es die Möglichkeit für dich, in eine zusätzliche Betreuungsperson – ich meine eine Pflegekraft, die den ganzen Tag bzw. mehrere Stunden bei ihm ist – zu investieren? Bevor DU dich bei seiner Pflege abkämpfst, würde ich diese Sache mal in Betracht ziehen. Das könnte dir evtl. helfen, dich um dich und deinen Sohn zu kümmern.

ICH kann dir nur den Rat geben, dass du die Reißleine ziehst und das große STOPP-Schild aufstellst.
Vielleicht habe ich gut reden, weil mein Paps kein so anstrengender Patient aus meiner Sicht war – meine Mama, die 24 Stunden täglich mit ihm verbrachte, würde mich bestätigen.
Wenn du sonst von keinem Familiemitglied Hilfe bekommen kannst, dann liegt es leider an dir, jetzt rechtzeitig etwas zu bewegen.
Immerhin kann es vorkommen, dass du deinen SchwieVa dadurch immer weniger ausstehen kannst und ihn vielleicht eines Tages hasst.
Auch wenn das hart klingt, aber die Situation um diese Krankheit bringen so oft so seltsame Gedanken und Gefühle mit sich, dass mich DAS nicht wundern würde.
Du weißt ja gar nicht mehr, wohin mit DIR, mit deinen Sorgen und Ängsten, mit deinen Wünschen und dem, was du gerne hättest.

Ich wünsche dir, dass du stark genug bist, dich durchzusetzen und alle Hilfe ausnutzt, die sich dir bieten (vom Arzt bis zu deinem Mann, dem Pflegedienst und einer zusätzlichen Pflegefachkraft).
Es bringt niemanden etwas, wenn du körperlich und nervlich am Ende bist.
Denke an dein Baby, was dich braucht und was dich auch genug Kraft kostet.

Ich drücke die Daumen und hoffe, dass du das packst.
Du leistet enorme Arbeit und das sollten dir die anderen mal „honorieren“ – am Besten verbal und mit einer wechselnden Betreuung für deinen SchwieVa.

Ich hoffe, du bekommst noch weitere Antworten, die dir etwas helfen können.
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Alles Liebe.
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Papa, für immer in meinem Herzen - 31.12.2007

Geändert von Annika0211 (01.03.2010 um 12:59 Uhr)
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