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Alt 18.03.2010, 07:49
Annika0211 Annika0211 ist offline
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Standard AW: Chemo bei ProstataCa wird nicht besser

Liebe Chica,
endlich bist du wieder mal da. Ich habe jeden Tag an dich und deinen Paps gedacht.

Dein Paps ist ein Kämpfer - das ist es sicher, was die Ärzte und Freunde in seinem Krankheitszustand wundern lässt.
Und das ist gut so! Nicht aufgeben wollen, sich immer ein kleines Ziel setzen. Wie jetzt das mit der in-der-Sonne-sitzen. Und die kommt. Die Sonne.

Ihr habt schon einen ganz schönen Stiefel verdrückt, wenn ihr 2 Wochen lang immer auf der Palliativstation wart... ja, da sieht man viel Leid und Trauer, das glaube ich.

Du, wenn das mit den Pflastern nicht mehr ausreicht, frag doch mal nach dem Nasenspray.
Ich will nichts empfehlen, aber ich schrieb ja mal, dass mein Paps das bekam und immer wenn er Schmerzen hatte und die Pflaster nicht mehr ausreichten, sprühte er und das Spray wirkte direkt.
Eine höhere Dosis der Schmerzpflaster hat er nicht vertragen, musste manchmal welche auseinanderschnippeln und dann zusätzlich aufkleben.

Dieser Tablettenwahn ist wirklich der Horror... man bekommt als "Zuschauer" einen riesen Schreck, wenn da schon eine "Kiste" steht, in der alles drin ist, was einzunehmen ist.
Ich fragte mich immer, wie mein Papa die zeitliche Einnamefolge behalten konnte... aber er hats prima hinbekommen.

Kleiner Tipp dazu: Habt ihr einen Medikamentenplan, auf dem alle Tabletten/Tropfen etc. draufstehen, die er selbstständig nimmt?
Wenn ja = gut! Wenn nein = schreib dir die Namen auf oder frag den Arzt nach dem Plan, die drucken dir das in einer Minute aus.
Mein Papa hat sich diesbezüglich immer selbstständig organisiert. Nur, als er das letzte Mal im Krankenhaus war, konnte niemand von uns dem Doc sagen, was er wann und wieviel nimmt.
Das wusste nur er - und er war nicht ansprechbar.
Dann bin ich mit Papas Kiste zum Arzt gefahren und hab sie ihm gegeben. Papa war dann schon wieder fit und hat die Augen gerollt, als er mich mit der Kiste gesehen hat.
Wo willste denn damit hin? fragte er mich. Dann sortierte er aus... das nehm ich net mehr, das brauch ich net mehr, das behalt ich hier...
Danach hab ich mir einen Medikamentenplan vom Hausarzt ausstellen lassen.
Da war ich dann gewappnet für evtl. weitere Notfälle.

Chica, ich kann mir vorstellen, dass du dich schlapp fühlst, leer und ausgelaugt. Und dann die Träumerei von der Beerdigung... junge, junge, junge... wie will man da zur Ruhe kommen, wenn einem im Schlaf schon die Dinge, die einem tagsüber die Horror-Angst bereiten, befallen?!!!
Da kann ich dir leider nichts raten. Ich habs auch hinter mir und niemand und nichts hätte mir helfen können, die Gedanken und Ängste loszuwerden.

Schön, wenn ihr immer bei ihm seid, mit ihm sprecht, ihn bei seinem Ziel (die Sonne) unterstützt und Mut macht.

Wie gehts dir "nebenbei" so??? Alles soweit in Ordnung?
Ich drück dich ganz herzlich und wünsche deinem Papa, dass er ganz, ganz viel Spaß daran hat, wenn die Sonne scheint, dass er die bislang noch wenigen Sonnenstunden draußen genießen kann, dass er Kraft schöpfen und mal tieeeef durchatmen kann, dass ihm das Gezwitscher der Vögel ein kleines Lächeln auf die Lippen malt und er sich freut, wenn schon kleine Blümchen blühen und und und...
Vielleicht kann er dann auch kleine Tränen fließen lassen, kann seine Angst irgendwie rauslassen, weil ihn die Sonne und das wieder Draußen sein so überwältigt.

Meld dich zwischendurch mal, sofern du Zeit und Lust dazu hast.
Ich habe mir arge Gedanken um euch gemacht...
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Alles Liebe.
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Papa, für immer in meinem Herzen - 31.12.2007

Geändert von Annika0211 (18.03.2010 um 07:54 Uhr)
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