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Alt 28.03.2010, 21:49
Benutzerbild von anthierry
anthierry anthierry ist offline
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Ach, meine Lieben - habe jetzt eure vielen Mutmacher gelesen. Habt vielen Dank. Als ich meinen Jungen so hab leiden sehen (er redet kaum über seine Ängste, sondern gibt sich immer ziemlich tough) hat es doch wieder sämtliche Kampfeslust in mir geweckt. Die war zeitweise wie weggeblasen...
Trotzdem ist das Gefühl, dass ich doch bald gehen muss, mehr in meinem Kopf als mir lieb ist. Ich würde es gern "rauspfeffern", gelingt mir aber nicht. Seit Wochen bin ich permanent damit beschäftigt meinen Haushalt auszumisten (damit meine Familie nicht so viel aufräumen muss). Vorahnung oder wenn man alles erledigt hat kommt es doch anders???
Ich bin auch keine größere Kämpferin als ihr. Aber es ist unglaublich welche Kräfte in einem schlummern. Ich bin auch ehrlich: ich habe Angst zu sterben. Da bin ich gar nicht so mutig... Ich will noch so viel machen und das Leben ist doch einfach viiiieeel zu schön! Jetzt, wo die ersten Krokusse ihr Köpfchen aus der Erde strecken und es überall nach Frühling riecht, fällt das loslassen erst recht schwer. Aber noch will ich mich nicht geschlagen geben.

Ja, liebe Regina, lokale Chemo hat mich erschreckt. Vielleicht habe ich auch etwas falsch verstanden (man ist ja manchmal so von der Rolle bei den Arztgesprächen), aber so sagte die Ärztin das. Habe auch gegoogelt, aber nicht viel gefunden. Der Gedanke daran hat mich eh' abgeschreckt und dafür hätte ich mich sicher nicht entschieden. Mit den Bestrahlungen habe ich mich "angefreundet". Ich habe diverse Bestrahlungen bisher immer gut verkraftet und sie haben auch gut gewirkt. Das macht mir Hoffnung.
Die Ärztin meinte, dass das Taxol nicht so gegen Knochenmetas wirkt - deshalb wahrscheinlich die Option lokale Chemo mit einem anderen Mittel. Hirntumore kann man auch "wegkochen", aber das ist ja bei mir GsD nicht der Fall. Ich habe mir jetzt vorgenommen mich nicht verrückt zu machen, deshalb hatte ich ja auch keinen Thread bezüglich Hirnb- bzw. Kopfbestrahlung aufgemacht. Sollte trotzdem hier irgendjemand lesen und dies schon hinter sich haben (aber bitte nur positive Erfahrungen) dann her damit!
Jeder verdaut es eh' anders und ich bin ja ein ziemlich harter Brocken. Das scheine ich von meiner Großmutter mitbekommen zu haben. Sie hat den BK immerhin über 40 Jahre überlebt - ist 97 J. alt geworden. Sie bekam in den 50er Jahren Bestrahlungen, die keine der Patientinnen außer ihr damals überlebt hat. Sie hatte sehr schlimme Verbrennungen und offene Wunden über die ganzen Jahre. Ich sehe nicht nur aus wie sie - ich bin auch in vielen Dingen so wie sie. Schicksal???
Aber meine Oma ist immer in meinen Gedanken und mein großes Vorbild. Sie hat in ihrem Leben so viel hinnehmen müssen, den einzigen Sohn im Krieg eingebüst, 2 Töchter verloren ehe sie 1 Jahr werden konnten. Wie furchtbar ist das für eine Mutter. Aber sie hatte noch zwei Töchter und für die hat sie gekämpft wie eine Löwin. Mein Opa war lange Zeit in Haft (KZ). Sie hatten ihre schwangere, jüdische Magd versteckt. Sie hat überlebt, ihr Kind auch und lange Jahre hatten sie Kontakt. Mein Opa ist schwerkrank aus der Haft gekommen und hat den Frieden nicht mehr lange genießen können. Meine Oma hat ihn gepflegt. Wie stark ist diese Frau gewesen! Und ich werde einfach den Gedanken nicht los, dass sie der Brustkrebs ereilte als sie besonders beansprucht war. Genau wie bei mir. Seelischer und körperlicher Stress...
Mir geht so vieles durch den Kopf...meine gescheiterte Ehe mit dem Vater meiner 4 Jungs...wie gerne hätte ich unsere Familie noch. Jetzt haben wir wieder einen guten, freundschaftlichen Kontakt. Aber die vielen schönen Jahre, die wir mit unseren Kindern hätten haben können...Zu spät und nicht mehr zu ändern. Es setzt mir aber trotzdem zu.

Jetzt werde ich mal meinen großen Kleinen pflegen, ihn hat es ganz schön erwischt, kann wohl morgen nicht zur Schule so wie's aussieht. Bellt wie ein alter Schlosshund und hat Gliederschmerzen. In der Jugendherberge war es saukalt nachts. Dünne Decken und keine Heizung an. Eigentlich ist er nicht sehr empfindlich diesbezüglich, aber wahrscheinlich ist er momentan auch aufgrund seines Nervenkostüms etwas empfänglich

Rolf, dein Spruch gefällt mir - ne Klobrille macht ne ganze Menge mit

So, meine Lieben. Allen, allen ein herzliches Dankeschön für eure Wünsche und lieben Gedanken. Ich nehme sie gerne an. Und wenn ich mal wieder etwas Kraft habe, dann verteile ich auch gerne wieder.
Tja, die Haare...Regina du hast ja Recht, aber totzdem macht es traurig. Ist gerade so schön weich auf'm Kopf Jetzt fallen mir aber komischerweise die Wimpern und Augenbrauen aus wo es auf dem kopf wieder sprießt...verrückt!

Macht nix...jetzt wird es angegangen! Aber heute genehmige ich mir mal eine Flasche "Roten". Brauchs einfach. Ich stoße natürlich auf euer aller Wohl an.
Na dann Prost! Auf ein langes Leben!

Herzlichst Eure Anja
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Erstdiagnose Jan. 2004
pT4a(mf)pN2a (5/6) M1 G1-2 ER 80% PR 80% C-erb Score 1+) Ablatio links, 6 Knochenmetas - Rezidive 2007 und 2009
Krebs ist nichts für Feiglinge. Krebs ist eine Erfahrung, auf die ich gern verzichtet hätte.