Einzelnen Beitrag anzeigen
  #139  
Alt 04.04.2010, 01:00
Benutzerbild von Birne
Birne Birne ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 11.11.2008
Ort: Baden-Württemberg
Beiträge: 435
Standard AW: Kann es nochmal besser werden?

Ihr Lieben hier alle,

danke für die vielen Antworten, Tröster, in den Arm-Nehmer,

also heute früh bin ich gleich ins KH gefahren. Meinem Mann ging es - wie am Vortrag, nur die Schmerzen in der Schulter haben deutlich nachgelassen. Dafür hat sich im Lauf des Vormittags der aufgetriebene Bauch wieder in den Vordergrund gestellt. Es kam am Mittag der diensthabende Oberarzt. Er meinte ganz vorsichtig, sie hätten hier auf dem gleichen Stock eine besondere Abteilung, in der gezielt auf Patienten wie meinem Mann eingegangen werden könne, die Schmerzen vielleicht gezielter behandelt werden können. Ob er damit einverstanden wäre, dorthin verlegt zu werden. Ja, das wollte er. Mich beschlich sofort das Gefühl, das ist jetzt die Palliativstation. Als der Umzug dann am Mittag von Statten ging, las ich das Schild schwarz auf weiß: Palliativeinheit!

So jetzt is er dort. Kommt er da wieder raus oder sind wir jetzt ganz am Ende des Wegs?
Die Schwestern dort sind so was von lieb.
Mir wurde ein Essen angeboten, "Ich kann für Sie Essen mitbestellen." Später heute Abend fragte sie, ob ich hierbleiben wolle, sie würde mir ein Bett reinstellen. Da ist mein Mann hellhörig geworden und hat spontan
gesagt: "Nein, das ist ja wie bei meiner Mutter letztes Jahr, die hat ihre ihre letzten Tage verbracht"
Er hat dann gegen 21.30 Uhr die Tavor genommen und sich die Morphiumspritze geben lasssen (5 mg). Anschließend noch mal Paspertin als Infusion, weil ihm direkt danach wieder sehr übel wurde. Als alles dann an seinem Platz war, Brille, Taschentücher, Spuckschale hat er mich mit einem schwachen Lächeln nach Hause geschickt. Er frlüstert nur noch, weil das laute Sprechen ihn zu sehr anstrengt.
Ich weiß gar nicht, was mit mir los ist, ich schreibe das hier völlig nüchtern. Ich bin wie betäubt. Als ginge mich das alles nicht wirklich was an.
Ich war gegen 22.30 Uhr zuhause. Meine Tochter ist grad da (studiert sonst 500 km weit weg). Sie hat für mich gekocht. Ich bin so leer. Funktioniere einfach nur. Hab ihr für morgen ein Osternest gemacht. Wie immer halt. Dann hab ich mit allen auf den AB gesprochenen Menschen entweder telefoniert oder eine SMS geschickt.
Trinkt ein Glas Rose in der Hoffnung, dass kein Anruf vom KH kommt und ich noch mal Autofahren muss.
Mir ist, als ob ich im falschen Film bin. Eine Bekannte weinte sehr, als ich berichtete. Ich hör das und bin wie abgestumpft. Liegt das daran, dass ich mich seit fast 20 Monaten damit beschäftigte, eigentlich den Ausgang von Diagnose an weiß?
Es ist alles so unwirklich.

Ich versuch jetzt, mich auf die Nacht vorzubereiten, nehm Telefon und Handy mit ans Bett und hoffe, dass morgen ein besserer Tag wird.

Euch allen, die ihr hier schreibt, sich um mich sorgt, an uns denkt,

Liebe Schätze - einfach Danke!!!


Elbi
Mit Zitat antworten