Tja, da meld ich mich mal wieder...
Letzten Montag wurde ja mein Vati operiert - ca 13Std. Entfernung von Dickdarm, Milz und Galle und im Anschluß die HIPEC-Spülung.
Danach kam er auf die Intensivstation, blieb im künstlichen Koma. Es hieß, wir müssen abwarten ob er durch kommt.
Mittwoch sollte versucht werden, die Kreislaufstabilisierenden Medikamente zurückzufahren, man wollte ihn "zurück holen".
Donnerstag sprach ein Arzt mit uns, der Versuch scheiterte, er braucht die starken Medikamente, das Herz spielt auf einmal verrückt... Außerdem kommt aus einer Drainage komische Flüssigkeit heraus, man müsse den Bauch nochmal öffnen, schauen ob eine Entzündung vorliegt, vielleicht ist die auch Schuld an dem Herzproblem. Außerdem muss ein Trachealkatheter gelegt werden (Schnitt in Luftröhre zur weiteren künstlichen Beatmung, durch den Mund geht das nicht solange). Die OP wurde gemacht und eine kleine Entzündung gefunden, leider kein Grund fürs Herz.
Freitag bekamen wir früh einen Anruf vom Prof. "ich stehe grad am Bett und wir denken, dass er einen Herzinfarkt hatte, wir kümmern uns erstmal um ihn, kommen sie mittags vorbei" Es war Horror, die Zeit verging nicht und je näher wir der Charite kamen, desto langsamer wurden wir. Wir hatten furchtbare Angst und sagten uns immer wieder, wenn etwas schlimmes wäre, hätten sie uns schon angerufen, hoffentlich...
Pünktlich um 12 klingelten wir auf Station, 10Minuten später wurden wir in den Vorraum gelassen, mussten noch warten. Durch die Glastür sahen wir nur aufgeregte Schwestern hin und her rennen, alle mit gesenktem Kopf, keiner sah uns an. Wir waren fertig und lagen uns heulend in den Armen, alles was wir sahen, setzte sich in unserem Kopf zusammen... Als der Prof. den endlosen Gang auf uns zu kam, dachten wir alles in ihrem Gesicht lesen zu können.... Sie fing dann an zu erzählen "...blabla...Herzkränze ok..blabla..." Es war wie in Trance, dann unterbrach ich sie "lebt er noch???" - "Ja natürlich!"
diese Erleichterung - unbeschreiblich!!!
Dann erklärte sie uns, kein Herzinfarkt, aber Herz extrem vergrößert, keine Ahnung warum, aber wir müssen hoffen dass er es schafft. Sie sagte, es ist ja auch ihr Erfolg, wenn eine so lange OP nicht vergebens ist und sie ihre Patienten lachen sehen kann- diese Frau ist ein Engel

Im anschließenden Gespräch mit der Intensivärztin wurde uns gemeinsam klar, dass ein vergrößertes Herz wahrscheinlich vom früheren Leistungssport und jetzt vom Seniorensport kommen könnte, schließlich ist mein Vati immernoch aktiv und amtierender Landesmeister im Kugel und Diskuswerfen!!
Die Herzfrequenz springt zwischen 140 und 160, er ist nun auch an der Dialyse angeschlossen und die Medikamente sind auf sehr hohem Niveau, es ist eine Gradwanderung, aber es wird noch lange nicht aufgegeben! Danach fuhr meine Mutti nach Hause.
Ich besuchte ihn Samstag früh nochmal, die Ärztin sagte mir, dass er in der Nacht reanimiert werden musste. Das Herz spielt einfach nicht mit!
Ich blieb noch etwas bei ihm, es war ja keine Besuchszeit und ich war nur im Weg, aber es waren alle super nett und stellten mich immer an einen für sie günstigeren Platz

Es ist grausam dieses Bild, wie im Fernseher, links und rechts vom bett unendlich viele Maschinen, Monitore, piepen und glucksen und in der Mitte mein Vati- klein, schwach und zerbrechlich. Er ist ganz kalt, das ist wohl normal. Alleín die Tumormasse war 16kg schwer, dazu noch der Schleim der Peritonealkarzinose und die entfernten Organe, man sieht ihn kaum in dem großem Bett...
Sonntags riefen wir auf der station an - Medikamente teilweise um die Hälfte reduziert, Herzfrequenz bei 100-120!!! Unter normalen Umständen immernoch die Katastrophe, aber mit der Vorgeschichte ein Wahnsinn!
Trotzdem, er ist noch lange nicht über den Berg! Er wird noch eine Weile im künstlichen Koma bleiben...
Wir noch eine Weile hoffen....
Es war die richtige Entscheidung, ihn nach Berlin zu kutschieren und es war die letzte Chance in allerletzter Minute!
Der Prof. sagte uns nach der OP, dass er sich am OPtisch erschrocken hat, wie er wirklich aussah- nur noch Bauch! Er musste dann noch mit anderen Experten diskutieren, war sich nicht sicher, ob er die OP machen soll- er sagte, er ist auch nur ein Mensch und wenn jemand wegen ihrer OP sterben würde, trifft ihn das genauso!
Er hat es getan!!! Mein Vati hätte keine Woche mehr gelebt, er hatte keine Kraft mehr, wäre wahrscheinlich an den Massen erstickt.
Also jetzt heißt es erstmal weiter Daumen drücken..
Und ich bin schon wieder völlig erschöpft vom alles nochmal durchdenken und aufschreiben, aber es tut gut!!
Gute Nacht und viele Grüße an alle