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Alt 04.04.2004, 18:19
Gast
 
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Standard junge Frauen und der Tod der Mutter

Hallo Mia,

puh, das was Du schreibst, hätte auch irgendwie von mir sein können (oder wahrscheinlich auch von ganz vielen anderen, deren Leben vom krebs irgendwie durcheinander gebracht wurde). Das mit dem Normalsein, ich glaube, das können wir uns irgendwie abschreiben, denn der Krebs ist immer in unseren Köpfen und hat aus uns eben "andere" Menschen gemacht. Menschen, die miterleben mussten, wie jemand gegen diese Krankheit ankämpfte und verlor, Menschen, die wissen, wie schnell das Leben vorbei sein kann und Menschen, für die es zur Zeit einfach nur wichtig ist, den eigenen Weg durchs Leben zu finden...
Ist nicht einfach, ich steck auch gerade mittendrin und Deine Probleme mit dem Studium kann ich so gut nachvollziehen. Ich hatte im vorletzten Jahr einfach das letzte Semester vor dem Diplom "hingeschmissen", um für meine Mutter da zu sein.
Von den Profs war alles "bewilligt", da hatte ich Glück, also konnte ich nach Mamas Tod im letzten Januar dann auch da weitermachen, wo ich aufgehört hatte.
Aber ich kann nicht mehr so lernen wie früher, mir fehlt die Konzentration und das Schlimmste ist, daß ich nicht weiss, wie es weitergehen soll, wenn ich durchs Diplom rassel...
Irgendwie ist der Krebs immer noch da, die Folgen sind so präsent, daß ich manchmal denke, es wäre alles erst gestern passiert. Die Diagnose, die schrecklichen Bilder, ihr Sterben...
Dabei dreht sich die Welt jetzt mehr als ein Jahr nach ihrem Tod so weiter wie vorher und alle scheinen zu verlangen, daß ich damit "klar komme". Und mich voll und ganz auf die Prüfungen konzentriere....dann kommt so ein wenig vorwurfsvoll:"Na, jetzt ist aber mal wieder Zeit, daß Du weitermachst!" Wie? Hallo? Wie kann ich denn vergessen, was passiert ist? Wie soll ich mit den Existenzängsten und Panikattacken nachts schlafen?

Ich sage nicht, daß ich dadurch nicht mehr in der Lage wäre, den Abschluss zu schaffen (und den wirst Du auch schaffen!!) aber es dauert länger und es ist schwerer geworden...
Wir müssen jeden Tag damit leben, daß unsere Mütter nicht mehr da sind und wir müssen auch jeden Tag mit den Folgen der Krankheit für uns leben. Alles, was mich manchmal davon abhält, völlig durchzudrehen, ist die Tatsache, daß ich genau weiss, daß ich es einfacher habe, als die Menschen, die selbst krank sind. Aber trotzdem, manchmal könnte ich schreien...

Mia, ich wünsche Dir sehr, daß Du den Abschluss jetzt packst, und daß nur ein kleines Stückchen Nomralität in unser Leben zurück kommt...ist mal nötig, um auszuruhen...

Liebe Grüsse,
Sandra
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