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Alt 09.10.2012, 01:24
edith57 edith57 ist offline
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Registriert seit: 21.10.2010
Ort: Österreich
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Standard AW: ich habe solche Angst!

Hallo ihr Lieben,

Leider war das nur ein kurzes Aufbäumen meines Mannes am Freitag und am Samstag - bereits gestern ging es ihm nicht mehr so gut und heute früh hat er mich angerufen und mir gesagt, dass es ihm noch schlechter geht als am Freitag in der Früh.

Am Morgen konnte er dann auch endlich die notwendige Stuhlprobe abgeben. Dabei ist allerdings neben dem schwarzen Stuhl auch noch eine ganze Menge helles Blut mitgekommen und die Blutprobe von heute Vormittag hat gezeigt, dass das frische Blut, welches oben reingelaufen unten wieder heraus gelaufen ist.

Kurz nach diesem Anruf hat er sich dann erneut gemeldet und mir gesagt, dass jetzt sofort eine Magenspiegelung gemacht wird. Ich bin dann gleich ins Krankenhaus gefahren und konnte ihm gerade noch viel Glück wünschen, als er aus seinem Zimmer heraus gefahren wurde.

In der Zwischenzeit habe ich dann mit der Ärztin geredet und sie hat mir gesagt, dass vermutlich im Magen ein Blutungsherd ist und dass sie versuchen werden, die Blutung im Zuge der Magenspiegelung zu stoppen. Sie war dann sehr ehrlich und hat mich gefragt, ob ich mit meinem Mann schon mal darüber geredet habe, was er gerne möchte, wenn seine Zeit gekommen ist. Ich habe das schon öfters versucht - aber bisher hat er dieses Thema immer abgeblockt und so habe ich gefragt, ob sie ihn vielleicht vorsichtig darauf ansprechen kann, weil er sehr viel Vertrauen zu ihr hat. Das hat sie mir dann versprochen.

Ich habe dann im Zimmer auf ihn gewartet - zufällig war heute Nachmittag auch eine Dame vom Sozialdienst da, die wurde dann gleich zu mir geschickt und wir haben lange miteinander geredet. Sie hat einen Pflegegeldantrag für uns ausgefüllt und mir viele Hinweise und Tipps gegeben, wie wir uns nun für die kommende Zeit helfen lassen können.

Als mein Mann dann wieder in sein Zimmer geschoben wurde, ist kurze Zeit später eine der Krankenschwestern gekommen und hat sich nach seinem Befinden erkundigt.

Und dann hat sie ein ganz gefühlvolles Gespräch mit ihm begonnen und nachgefragt, was er denn nun denkt, wie es mit ihm weiter gehen wird und was er sich wünschen würde, wie er sich das alles vorstellen kann und es ging alles ganz einfach - er hat sich sofort geöffnet und gesagt, dass er gerne nach Hause möchte.

Kurze Zeit später ist dann die Ärztin gekommen, hat sich zu ihm ans Bett gesetzt und uns den Befund der Magenspiegelung mitgeteilt. Es ist leider so wie sie vermutet haben: es ist fremdes Gewebe im Magen und dort ist eine Blutung feststellbar. Das heisst, dass sich eine Metastase durch die Magenwand durch gefressen hat. Bei der Magenspiegelung wurde dieses blutende Gewebe unterspritzt und die Blutung gestillt. Sie hat uns aber ganz ehrlich gesagt, dass keiner weiß, ob das von Dauer ist oder ob es wieder anfängt zu bluten. Und sie hat auch gesagt, dass es sehr gut möglich ist, dass auch im Darm etwas ist und dass es auch dort blutet - dass aber keine Darmspiegelung und auch keine Operation mehr gemacht werden wird, weil er keinen Nutzen mehr davon haben wird und wie sehr es ihr leid tut, dass sie nun kein Mittel mehr haben um ihm zu helfen.

Mein Mann war ganz ruhig und gefasst und hat sich nur an meiner Hand fest gehalten. Die Ärztin hat ihn dann auch gefragt, wie er sich die nun kommende Zeit vorstellen kann und wir konnten dann alles besprechen, ohne dass die Emotionen über geschwappt sind. Er möchte unbedingt nochmal nach Hause, er möchte nochmal um's Haus gehen und möchte sich von unseren Nachbarn verabschieden. Und ich habe ihm gesagt, dass ich für alles bereit bin. Wenn er nach Hause will, dann werde ich 24 Stunden für ihn da sein.

Ich bin so froh, dass die Ärzte und Schwestern auf dieser Station so oft mit sterbenden Menschen konfrontiert sind. Die beiden haben das auf eine so natürliche und einfühlsame Art und Weise gemacht, dass diese schlimme Nachricht und die Aussicht auf seinen baldigen Tod für uns beide zu verkraften war.

Die Ärztin hat mir dann angeboten, dass ich heute Nacht bei ihm bleiben kann wenn ich will - dann würde der Zimmernachbar ausquartiert und ich könnte hier schlafen. Mein Mann hat mir dann gesagt, dass er heute Nacht allein sein möchte - ich soll ihm bitte nicht böse sein. Ich bin dann bis 20:30 h bei ihm geblieben und dann hat er mich nach Hause geschickt.

Zuvor habe ich allen das Versprechen abgenommen, dass man mich sofort anruft, falls sich sein Zustand verschlechtern sollte - damit ich gleich zu ihm fahren kann.

Ich wünsche euch allen eine gute Nacht - wir werden wahrscheinlich keine haben...

Traurige Grüße
Edith
__________________
mein Mann:
NSCL ED 21.10.2010
nach langem Kampf ins Licht gegangen am 30.11.2012
für immer in meinem Herzen

http://www.youtube.com/watch?v=ibREmAkEgJo

Geändert von edith57 (09.10.2012 um 01:27 Uhr)
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